Lexikon der Filmbegriffe

Criterion Collection

The Criterion Collection ist ein US-amerikanisches DVD-Vertrieb, der mit seinem inzwischen über 400 Titel umfassenden Programm bei Cineasten fast kultisches Ansehen genießt und – trotz oder sogar wegen der Hochpreisigkeit der DVDs – zum Sammelobjekt geworden ist. Die Firma wurde 1984 von Robert Stein, Aleen Stein und Joe Medjuck (später kam Roger Smith dazu) gegründet. Unter dem Namen Voyager Company gründeten die Steins, William Becker und Jonathan B. Turell ein weiteres Unternehmen als Muttergesellschaft von Criterion , die multimediale CD-ROMs publizieren und vertreiben sollte (1989-2000). Im März kaufte sich die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH mit 20% (= 6,7 Millionen US-$) in Voyager ein, verkaufte aber 1997 den Firmennamen wieder (nebst den Rechten an CD-ROMS, der Voyager-Website) wieder an die neue Firma Learn Technologies Interactive, LLC (LTI) unter der Leitung von Aleen Stein. Criterion wurde selbständig, ging im gleichen Jahr eine Partnerschaft mit Janus Films sowie mit Home Vision Entertainment (HVE) ein; letztere wurde 2005 beendet, als Image Entertainment HVE aufkaufte. HVE wiederum war die DVD- und Video-Verkaufsabteilung der 1968 gegründeten Public Media Inc. (PMI), die die Vermarktung der Criterion-DVDs übernahm; außerdem ko-produzierte sie eigene DVDs mit Criterion (sofern sie die Rechte hatte wie etwa an der James-Ivory-Collection). Nach 2005 hatte HVE die exklusiven Vertriebsrechte an den Criterion-Produktion, bis am 4.11.2013 bekannt wurde, dass Sony Pictures Home Entertainment den weiteren Vertrieb übernehmen wurde, was 2015 tatsächlich vertraglich vereinbart wurde (Stand: 2016).


Die DVD-Ausgaben der Filme der Autoren der Filmgeschichte (darunter Robert Altman, Robert Bresson, Ingmar Bergman, John Cassavetes, David Cronenberg, Barbara Kopple, Akira Kurosawa, Louis Malle, Éric Rohmer, Chris Marker, Ozu Yasujiro, Pier Paolo Pasolini) zeichnen sich nicht nur durch die technische Qualität, sondern vor allem durch die editorische Sorgfalt aus, mit der sie realisiert werden und die oft auf jahrelanger Archivrecherche beruht. Die Bonus-DVD zu Jean-Pierre Melvilles L‘Armée des hombres (1969) enthält beispielsweise den bis dato unbekannten Kurzfilm Le journal de la Résistance des Regisseurs aus dem Jahr 1944, der während der Besatzung an der Front gedreht wurde.


Literatur: Carroll, Nathan: Unwrapping archives: DVD restoration demonstrations and the marketing of authenticity. In: The Velvet Light Trap 56,1, 2005, S. 18-31. – Kendrick, James: What is the criterion? The criterion collection as an archive of film as culture. In: Journal of Film and Video 53,2-3, 2001, S. 124-139. 

Referenzen:

Janus Films


Artikel zuletzt geändert am 25.04.2018


Verfasser: HHM


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