Lexikon der Filmbegriffe

Odorated Talking Pictures (OTP)

Zwar beginnen die Bemühungen um die synästhetische Anreicherung der Kinovorführung bereits kurz nach der Jahrhundertwende (so soll ein Kinobesitzer 1906 mir rosenessenzgetränkten Wattebäuschen durch die Lüftungsanlage das Kino in einen Kunstgeruch gehüllt haben), doch wurde erst mit dem Verfahren Odorated Talking Pictures (OTP) des Schweizer Erfinders Hans E. Laube eine Apparatur patentiert, die systematisches und auf die Handlung abgestimmtes Dufterleben im Kino ermöglichte. Laubes Apparat konnte 4000 verschiedene Gerüche simulieren, wie es in der zeitgenössischen Presse heißt. Laube hatte zusammen mit Robert Barth bei dem 70minütigenFilm Mein Traum (Schweiz 1940, Rudolf Eger, Valérien Schmidely, Kurt Früh) die „Duftregie“ geführt, derzufolge 32 verschiedene Gerüche (darunter Rosen, Kokosnüsse, Pflaumen und Weihrauch während der finalen Trauung) während der Vorstellung im Saal verteilt wurden. Der Film wurde während der Weltausstellung in New York 1940 im Schweizer Pavillon uraufgeführt, erlebte aber nur eine einzige Vorstellung, weil Film und Apparatur am Ende der Show von der US-Polizei wegen angeblicher Patentstreitigkeiten beschlagnahmt wurden. Laube und die Zürcher Filmproduktion ProFilm erhielten beides jemals zurück. Ob Laube sein Verfahren so weit entwickelt hatte, dass es während der Projektion vollautomatisch mit dem Filmstreifen synchronisierte Düfte erzeugen konnte, kann heute nicht mehr festgestellt werden.


Literatur: Paech, Anne: Das Aroma des Kinos. Filme mit der Nase gesehen: Vom Geruchsfilm und Düften und Lüften im Kino. URL: http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/LitWiss/MedienWiss/Texte/duft.html.

Referenzen:


Artikel zuletzt geändert am 25.04.2018


Verfasser: JH


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