Lexikon der Filmbegriffe

Haas-Effekt

oft synonym: Gesetz der ersten Wellenfront (law of first wavefront), Präzedenz-Effekt (precedence effect)


Der Psychoakustiker Helmut Haas untersuchte in seiner Dissertation die Fähigkeit menschlicher Hörer, die Lokalisation einer Geräuschquelle vorzunehmen. Er arbeitete mit zwei Lautsprechern, die ein monaurales Signal im Winkel von 45° abstrahlten. Die Regel, auf die er stieß, wird bis heute Haas-Effekt genannt: Der zuerst beim Zuhörer eintreffende Direktschall ist allein richtungsbestimmend, sofern der zweite mit einer Verzögerung von 25msec auf den Hörer trifft. Das zweite Signal wird als eine Art von Echo wahrgenommen und in der Raumkonstruktion als veränderte Klangfarbe und vor allem als Eindruck größerer räumlicher Ausdehnung verrechnet. Ist die Zeitdifferenz größer, werden die Töne als zwei unterschiedliche Schallereignisse aufgenommen. Der Effekt spielt eine praktische Rolle bei der (monauralen) Beschallung von Kinoräumen mit mehreren Lautsprechern, aber auch bei der akustischen Einrichtung von Räumen für Redner. 


Literatur: Haas, Helmut: Über den Einfluss eines Einfachechos auf die Hörsamkeit von Sprache. In: Acustica1,2, 1951, S. 49-58. – Gardner, Mark B.: Historical Background of the Haas and/or Precedence Effect. In: The Journal of the Acoustical Society of America43,6, 1968, S. 1243-1248. 


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: JH


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