Lexikon der Filmbegriffe

KZ-Komödie

engl. oft etwas weiter gefasst als: holocaust comedy


Oft der schwarzen Komödie zugeordnet, findet sich in der Filmpublizistik auch die Wendung KZ-Komödieals Bezeichnung von Geschichten, die in der Handlungswelt der Konzentrationslager spielen. Der überscharfe Kontrast zwischen Handlungswelt und dramatischer Gattung hat heftigen Widerspruch erregt und ist stark umstritten gewesen und manchmal Grundlage einer Debatte über die Grenzen der ‚Freiheit der Kunst‘ gewesen. Es ist deutlich, dass die Filme der kleinen Gruppe einen wirkungsästhetischen Impuls aus der Leichtigkeit der Erzählung gewinnen – viele der Geschichten sind auf dem Erinnern von Biographien gegründet, die in schärfsten Kontrast zu den Lebensbedingungen des Erinnernden geraten. Das bis heute bekannteste Beispiel ist La Vita e bella(Das Leben ist schön, 1998, Roberto Begnini) über einen Buchhändler, der für seinen gemeinsam mit ihm deportierten Sohn das Leben im KZ als Spiel zu inszenieren und am Ende sein leben verliert. Als schrille Groteske inszeniert ist Lina Wertmüllers Pasqualino Settebellezze(Sieben Schönheiten, 1975) über einen italienischen Macho, der gegen Ende des Krieges von den Nazis ins KZ gebracht wird, sich dort an seine sieben dicken Schwestern erinnert, die er in der Zeit vor dem Krieg zu kontrollieren und zu beschützen versuchte, der gleichzeitig – um im KZ zu überleben – beschließt, die hässliche und sadistische KZ-Aufseherin zu verführen. Einen anderen Weg geht Mein bester Feind(2010, Wolfgang Murnberger) über zwei Männer, die vor dem Krieg Freunde waren, sich im Krieg aber als Gefangener und als Offizier der Wachttruppen wiedertreffen; die beiden tauschen die Rollen, um an ein Bild von Michelangelo zu gelangen. Erinnert sei auch an Jerry Lewis unvollendetes Filmprojekt The Day the Clown Cried(1972) über einen Clown, der selbst im KZ an seiner Bestimmung, Leute zum Lachen zu bringen, festhält. 


Literatur: Gilman, Sander L.: Is Life Beautiful? Can the Shoah Be Funny? Some Thoughts on Recent and Older Films. In: Critical Inquiry26,2, Winter 2000, S. 279-308. – Rohr, Susanne: Subversion und Sentiment. Von den Unwägbarkeiten der KZ-Komödie. In: artefrakte: Experimentelle Darstellungsformen in literarisch-künstlerischen Auseinandersetzungen mit Holocaust und Zweitem Weltkrieg. Hrsg. v. Esther Kilchmann. Wien: Böhlau, 2016. 95-111. – Wright, Melanie J.: ‘Don’t Touch My Holocaust’: Responding to Life Is Beautiful. In: The Journal of Holocaust Education9,1, 2000, 19-32. 

Referenzen:

holocaust comedy


Artikel zuletzt geändert am 28.12.2018


Verfasser: AS


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