Lexikon der Filmbegriffe

Empowerment

von engl.: empowerment= Ermächtigung, Bevollmächtigung (im ökonomischen Bereich: Übertragung von Verantwortung an Untergebene); auch im Dt. üblich


Ganz allgemein werden alle Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen sollen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten, Empowermentgenannt. Vor allem in den (linken) Cultural Studies bezieht sich der Begriff auf die Verfügung über Medien (einschließlich und vor allem der Musik), sowohl im Technischen wie im Ökonomischen, vor allem aber im Symbolischen. Empowerment war und ist eine der Zielsetzung einer Ermächtigung derjenigen, die gemeinhin keine öffentliche Repräsentanz haben und die erst unter der Kondition der „Ermächtigung“ öffentlich sichtbar werden und gesellschaftliche Handlungsmacht erlangen. In das Konzept einbeschlossen ist die professionelle Unterstützung der Akteure, um ihnen den Zugang zu Gestaltungsspielräumen und Resourcen zu ermöglichen – als fundamentale Strategie der Ermöglichung ihrer Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen der Meinungsbildung und des politischen Handelns. Vor allem in der Erforschung der Subkulturen industrieller Gesellschaften ist das Empowerment-Konzept von diesem politischen Horizont oft entkoppelt worden und meint dort die Herausbildung eigener subkultureller Stile, die sich oft nur in Differenz zu hegemonialen Stilen bestimmen lassen.


Als Beispiele für das empoweringvon ethnischen oder sozialen Minderheiten werden z.B. oft die Formen des indigenen Kinosbenannt (wie die indianisch kontrollierte Filmproduktion in Kanada und den USA; man denke an den wütenden Kurzfilm The Ballad of Crowfoot, Kanada 1969, Willie Dunn, aber auch an den ironisch mit Indianerstereotypen spielenden Smoke Signals, USA 1998, Chris Eyre). Neuerdings von großer Popularität ist die Rede vom women empowerment film– hier geht es um die affektive Ermächtigung vor allem weiblicher Publika (als Beispiele werden oft genannt Thelma and Louise, USA 1991, Ridley Scott, aber auch dekonstruktive Rache-Thriller wie The Brave One, USA 2007, Neil Jordan, genannt). Gerade letztere Beispiele werfen eine ganze Reihe von Fragen auf – nach der Rolle, die Empowerment-Produktionen in der Mainstream-Produktion der Filmindustrie spielen, nach den praktischen und ideologischen Implikationen dieser Filme, nach der Eigeninitiativität der Akteure, vor allem nach den langfristigen Einwirkungen derartiger Filme auf die symbolische Verfassung der Gesellschaft. 


Literatur: Grossberg, Lawrence: What’s Going on? Cultural Studies und Popularkultur. Wien: Turia + Kant 2000. – Dowmunt, Tony: Channels of resistance: Global television and local empowerment. London: British Film Institute 1993. – Bucy, Erik P. / Gregson, Kimberly S.: Media participation: A legitimizing mechanism of mass democracy. In: New Media & Society3,3, 2001, S. 357-380. – Fischer, Michael [...] (Hrsg.): Image - Performance - Empowerment. Weibliche Stars in der populären Musik von Claire Waldoff bis Lady Gaga. Münster: Waxmann 2018. 

Referenzen:

Drittes Kino

fremde Erzähltradition

partizipatorisches Kino

Third Cinema


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: HJW


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