Lexikon der Filmbegriffe

need

dt. etwa: (blockiertes) Bedürfnis


Die oft auf den Drehbuchautoren Waldo Salt zurückgeführte Unterscheidung von wantund need– das, was sich eine Figur des Spiels wünscht oder erhofft, vs. das, was sie braucht (und „eigentlich“ ersehnt) – sucht die motivationale Lage von Filmfiguren zu differenzieren: Ausgehend davon, dass Figuren in ihrer Vergangenheit eine Verletzung erfahren haben (eine im Text oft verschwiegene oder nur spät enthüllte backstory wound), die sie dazu bewegt haben, Verhaltensweisen zu entwickeln, die sie dagegen schützen, erneut einer solchen Verletzung ausgesetzt zu werden, wird das needzu einem verborgenen Motor der Handlung, wenn es sich um tiefere Bedürfnisse der Figur handelt. Insbesondere in Liebesgeschichten spielt das Need-Motiv eine Rolle, wenn die Geschichte davon handelt, das essentielle Bedürfnis nach Bindung gegen alle Abwehren derselben – die aus einer zurückliegenden Zurückweisung oder Kränkung, aber auch des Todes eines Partners resultieren – durchzusetzen. Das Interessante dieser Motivkonstellation ist, dass die Figur als gespaltene Persönlichkeit konzipiert ist, den Gegenstand des needsowohl herbeisehnend wie abwehrend. Derartig gestaltete Figuren werden vor allem in sentimentalen Liebesgeschichten inszeniert – in Erwartung, das das needam Ende überwunden wird (oder aber, im Falle bittersüßer Geschichten wieThe Bridges of Madison County, 1995, am Ende weiterhin in Geltung gesetzt blieben). 


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: KB


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