Lexikon der Filmbegriffe

surprise exposition scene

dt. etwa: initiale Überraschung


Vor allem in der Drehbuchliteratur verwendete Gelegenheitsbildung, mit der Rezeptionsüberraschungen bezeichnet werden, die schon am Beginn der Erzählung den Zuschauer dazu zwingen, seine Hypothesen über die Realitäts-Modalität (wie in François Truffauts La Nuit américaine, Frankreich 1973, als sich die initiale Szene als Inszenierung eines Films-im-Film herausstellt), die affektive Grundierung der Geschichte radikal zerstört (wenn etwa der friedfertige Dialog zwischen einer Wüstenechse und einem hungrigen Mann am Beginn von Sam Peckinpahs The Ballad of Cable Hogue, USA 1970, durch einen Schuss beendet wird, der die Echse zerreißt) oder durch einen zweiten Affekt konterkariert und überlagert wird (wie in der pre-title sequencevon Samuel Fullers Forty Guns, USA 1957, in der den friedlichen und ruhigen weiten Aufnahmen der weiten Steppe rabiat das enervierende Geräusch von vierzig galoppierenden Pferden in anderer Kamerahöhe und -distanz entgegengesetzt ist). In allen diesen Beispielen dient die initiale Überraschung dazu, das Thema und den affektiven Modus der folgenden Geschichte wie mit einem Paukenschlag zu etablieren. 


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: HJW


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