Lexikon der Filmbegriffe

Aquamusical

aus dem Engl.; im Dt. auch: neben „Wassermusical“ gelegentlich: „Wasserrevue“


Zwar gibt es schon in den 1930ern in Revuefilmen erste Wasserballette (man denke an die fast fünfzehnminütige Nummer „By the Waterfall“ in Busby Berkeleys Footlight Parade, 1933), doch wurde das Wassermusical erst 1944 mit Bathing Beauty(Badende Venus, George Sidney) populär – wohl vor allem aufgrund des Stars Esther Williams. Die Sportlerin war 1939 nationale Meisterin geworden, konnte aber an der Olympiade 1940, die in Tokio hätte stattfinden sollen, nicht teilnehmen und wechselte statt dessen ins Unterhaltungsfach, zunächst zu einer Wassershow (in der auch Johnny Weissmüller auftrat), dann zum Film. Bis Mitte der 1950er entstanden mehr als zwanzig durchaus erfolgreiche Wasserrevuefilme (darunter Neptune’s Daughter, 1949, Edward Buzzell, eine eigenständige Nummer [A Water Ballet, Regie: Merrill Pye] in Ziegfeld Follies, 1945, oder als Darstellerin der berühmten Schwimmerin Annette Kellerman in dem biographischen Musical Million Dollar Mermaid, 1952, Mervyn LeRoy). Die winzige Gattung blieb auf die Esther-Williams-Filme beschränkt, es gab kaum Nachahmer. Noch Scarlett Johanssons Auftritt als Wassernixe in Hail, Caesar!(2016, Ethan Coen, Joel Coen) erinnert eher an Williams als an die vergangene Revuegattung.


Ähnlich wie die Revue basiert auch das Aquamusical auf dem Arrangement mehrerer Körper, hier als Ensembles von Synchronschwimmerinnen; auch der top shotals Mittel, die Ornamentalisierung der Schwimmerinnen visuell zu repräsentieren, wird vom Revuefilm übernommen; dass Busby Berkeley den Film Take Me Out to the Ball Game(1949) inszenierte, mag auch die Gattungsvererbung belegen. Zwar leben die Filme nicht nur von oft zündender Musik, sondern auch von der Zurschaustellung weiblicher Körper (interessanterweise ausnahmslos in einteiligen Badeanzügen, die Williams nach ihrem Ausstieg aus dem Filmgewerbe in einer eigenen Firma vertrieb), doch war der puritanisch-keusche Umgang mit Sexualität und Körperlichkeit der Zeit nach dem Weltkrieg verhaftet und trug sicher zum nachlassenden Publikumsinteresse am Aquamusical bei. 


Literatur: Williamson, Catherine: Swimming pools, movie stars. The celebrity body in the post-war marketplace. In: Camera Obscura, 38, May 1996, S. 4-29. – Bodeen, Dewitt / Holland, Larry Lee: Neptune's daughters: Annette Kellermann & Esther Williams. In: Films in Review30, Febr. 1979, S. 73-88. – Pullen, Kirsten: More than a Mermaid: Esther Williams, Performance, and the Body. In: Women's Studies39,8, 2010, S. 877-900. 


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: KB


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