Lexikon der Filmbegriffe

Pollywood

(1) Sammelbezeichnung für die Filmproduktion in Punjabi(auch: Panjabi), einer in Indien und Pakistan gesprochenen Sprache und eines Landesteils (Punjab). Die Filmproduktion begann in den 1920ern in Lahore, noch unter britischer Kolonialverwaltung. Als erster Film gilt The Daughters of Today(1924, Shankradev Arya), der auch in Lahore uraufgeführt wurde. 1928 wurde ein Studio (United Players Corporation) gegründet, das eine ganze Reihe bekannter Schauspieler unter Kontrakt nehmen konnte. Heer Ranjha(1932, A.R. Kardar) war der erste Tonfilm des Studios (mit der Musik von Rafiq Ghaznavi). Ein erster großer, Regionengrenzen übergreifender Erfolg war Pind Di Kudi(1935, K.D. Mehra, Musik von Mehra und Mubarak Ali Khan) mit dem später berühmten Sänger Noor Jahan, der in Kalkutta produziert, aber in Lahore uraufgeführt wurde. Zahlreiche Schauspieler, Regisseure, Musiker und Techniker gingen mit den Lahore-Studios in Vertrag, das Punjab wurde zu einer der wichtigsten Film-Produktionsregionen Indiens. Nach der Trennung von Indien und Pakistan (1947) orientierten sich die meisten Filmleute nach Indien (vor allem nach Bombay); die in Lahore verbliebenen Produktionsstätten wurden später oft als „Lollywood“ bezeichnet. Bereits 1948 begann eine regelmäßige Produktion nachkolonialer Filme (unter ihnen Lachhi, 1948, Rajendra Sharma, Musik von Hansraj Behl, oder Pheray, 1949, Nazir Ahmed Khan, Musik: Ghulam Ahmed Chishti). Komödien und Musikfilme bildeten für die folgenden Jahrzehnte das Zentrum der (meist um 50-100 Titel schwankende) Produktion. Ein großer Publikumserfolg wurde das religiös angehauchte, unter Sikhs spielende Melodram Nanak Naam Jahaz Hai(1969, Ram Maheshwary), für das angeblich kilometerlange Schlangen von Zuschauern anstanden.


Heute werden die Filme in Pakistan und Indien vermarktet – mit den Auslandsmärkten Australien, Kanada, Malaysia, Neuseeland, Großbritannien und USA sind die Filme aber auch international verbreitet (mit ca. 50% der Umsätze). Neuere Vertriebswege (wie Satellitenverbreitung, Streamingdienste etc.) spielen bislang noch keine Rolle (Stand: 2016). Die Filme folgen fast ausschließlich dem Mainstream; Arthaus-Filme sind selten (zu ihnen zählt Marhi Da Deeva, 1989, Surinder Singh, der von den Problemen der Landbevölkerung handelt). 


Literatur: Gazdar, Mushtaq: Pakistan cinema 1947-1997.Oxford [...]: Oxford University Press 1997. - Ahmad, Ali Nobil: New cinema from Pakistan. Film, technology and media in transition. In: Cinema and society. Film and social change in Pakistan. Karachi: Oxford University Press 2016, S. 343-372. - Gill, Harjant S.: Masculinity, mobility and transformation in Punjabi cinema: From Putt jattan de(Sons of Jat Farmers) to Munde UK De(Boys of UK). In: South Asian Popular Culture10,2, 2012, S. 109-122. – Singh, Harleen: Tur (Banned) masculinities: Terrorists, Sikhs, and trauma in Indian cinema. In: Sikh Formations2,2, 2006, S. 115-124.


(2) Irreführende Bezeichnung für die Pilliwood-Filme, die aus Afghanistan stammen und oft als „pashtunisches Kino“ zusammengefasst werden.

Referenzen:

Lollywood


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: AS


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