Lexikon der Filmbegriffe

fast cutting

Als fast cuttingwird die Montage von sehr kurzen Einstellungen von nicht mehr als 3sec Länge bezeichnet. Sie wird verwendet, um geballte Information sehr kurz zu exponieren oder um den Eindruck eines chaotischen Ereignisverlaufs oder höchster szenischer Energie zu erwecken. Seltener wird auch bei der Montage von Dialogsequenzen im Schuss-Gegenschuss-Muster mit „schnellem Schnitt“ gearbeitet, wenn die Reaktion beider Gesprächteilnehmer von Bedeutung ist. Das bis heute bekannteste Beispiel der Filmgeschichte ist die Duschmordsequenz in Alfred Hitchcocks Psycho(1960) – die Diskussion um den schnellen Schnitt geht aber bis in die 1920er zurück (mit dem berühmtesten Beispiel der Odessa-Treppenszene aus Sergei M. Eistensteins Bronenosets Potemkin, 1925). Angeregt auch durch die Montage-Gewohnheiten der Musikvideos haben viele neuere Filme den Schnitt in Zusammenhang mit musikalischen Strukturen gebracht – man denke an A Hard Day’s Night(1964, Richard Lester), The Wall(1982, Alan Parker) oder die Ballsaal Szene aus Buz Luhrmans Moulin Rouge(2001). Doch damit ist nur ein Teil der Verwendungsfelder des fast cuttingerfasst: In manchen Horrorfilmen wird schneller Schnitt vor allem verwendet, um den Eindruck der Angst zu intensivieren, denen Figuren ausgesetzt sind, die in eine tödliche Falle geraten. Wie eine Rekapitulation werden sehr kurze Bilder in einem Film wie Lola rennt(1998, Tom Tykwer) gesetzt, der die Möglichkeiten und Alternativen der Handlungsentwicklung durchspielt. Und ein Film wie Oliver Stones Natural Born Killers(1994), der seine Geschichte in Bildmustern amerikanischer Geschichte erzählt, ist in über 2.000 Einstellungen von meist unter 2sec Dauer realisiert (gegenüber 600-800 Einstellungen eines normal geschnittenen Films). Und natürlich wird die Dynamik und Intensität von Action-Sequenzen durch die Erhöhung der Schnittfolge ausgedrückt; man denke insbesondere an die Filme Michael Bays (wie die Transformers-Reihe, 2007-17), der es dem Zuschauer mittels der Komposition von Bildkomposition, Choreographierung der Figuren, Kamerabewegung, Farbe und Handlung ermöglicht, auch in rasend schnell geschnittenen Action-Szenen die Übersicht über das Geschehen zu behalten und gleichzeitig die Bildfolge als ästhetische Komposition zu erfassen. 


Literatur: Bordwell, David: Intensified continuity visual style in contemporary American film. In: Film Quarterly55,3, 2002, S. 16-28. – Heft, Harry / Blondal, Ragnar: The influence of cutting rate on the evaluation of affective content of film. In: Empirical Studies of the Arts5,1, 1987, S. 1-14. – Thanouli, Eleftheria: Post-classical narration. A new paradigm in contemporary cinema. In: New Review of Film and Television Studies4,3, 2006, S. 183-196. 

Referenzen:

HipHop-Montage


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: HJW


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