Lexikon der Filmbegriffe

Heimkino

engl.: home cinema


(1) cf. Dux-Kino;


Euphemistische, wohl der Werbung für entsprechende Geräte entstammende Bezeichnung für die Vorführung von Filmen in Privatwohnungen. Derartige Veranstaltungen vor kleinem Publikum (Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaften etc.) bedurften einer Leinwand (bzw. einer dazu geeigneten Wand), eines Projektors und meist einer Tonanlage (wenn die Vorführungen nicht stumm erfolgten). Neben Amateur- und Privatfilmen gelangten auch kommerziell vertriebene Filme (neben Kurzfassungen bekannter Kinofilme wohl vor allem Slapstickiaden, Filme pornographischen Inhalts, politische und propagandistische Filme u.ä.) zur Aufführung. Derartige Filme waren bereits in den 1930ern im Handel (etwa als 16mm-Ozaphan-Schmalfilme der Firma Agfa, die mit eigens konzipierten Kameras erstellt und mit Projektoren zu Hause stumm vorgeführt werden konnten). Dazugehörige Kauffilme (meist im 8mm-Format) wurden in großer Stückzahl kopiert und im Fachhandel vertrieben. Das Super-8-Schmalfilmformat, das Kodak Mitte der 1960er einführte, führte zu einem wahren Boom des Heimkinos, der erst anfangs der 1980er mit Einführung der Consumer-Videoformate endete. Bis dahin war die Auswertung der Studioproduktionen in Form von (oft gekürzten und bearbeiteten) 8mm-Kopien Teil der Wertschöpfung der Studios und wurden unter eigenen Labels vertrieben (etwa als „Disney-Heimkino-Filme“). Zum Erfolg des Super-8-Formats trug nicht zuletzt dessen preiswerte Tonfilmvariante (mit ein oder zwei Magnettonspuren) bei; in den 1970ern wurden fertige Farbtonfilme bis zu 300m Länge in Super-8 angeboten. Zunehmend wurden Kinder als Heimkinozuschauer bedeutsam, weshalb nicht nur zahlreiche Märchenfilme, sondern vor allem eine ganze Reihe von auch von Kindern bedienbare Projektoren auf den Markt gebracht wurden. (JH)


Literatur: Denby, David: Letzte Tage. Digitaltechnik, Heimkino, Kleinbildschirme: Die Tage des alten Kinos sind gezählt. Hollywood muss sich neu erfinden. In: Das Magazin, 39, 2007, S. 16-23.


(2) cf. Pantoffelkino;


Scherzhaft-metaphorische Bezeichnung für das Fernsehen bzw. den Fernseher in der Privatwohnung. (KB)


(3) Die akustische und visuelle Nachbildung der Kinoatmosphäre in besonders ausgestatteten Räumen in Privatwohnungen. Derartige Heimkinos sind technisch oft opulent ausgestattet. Die Betreiber sind nicht nur cineastisch, sondern oft vor allem technisch interessiert. Darin ähneln sie den HiFi-Musikfans, die manchmal eigene „Hörräume“ ausstatten – eine Verwandtschaft, die sich an der akustischen Ausstattung der Kinoräume ablesen lässt. Wie eng die beiden Adressatengruppen zusammenhängen, wird auch in der zeitgenössischen Heimkino-Werbung (Stand: 2018) greifbar, die fast ausschließlich die Heimkino-Tontechnik präsentiert.


Artikel zuletzt geändert am 04.04.2019


Verfasser: JH KB JH


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