Lexikon der Filmbegriffe

Hypodiegese

Sonderfall des Mise-en-Abyme


Neologismus zur Bezeichnung von Szenarien, in denen eine Figur der Erzählung (der Diegese) einen älteren Film (im Fernsehen, im Kino, in einer Videoaufzeichnung etc.) betrachtet. Natürlich wird der ältere Film nur im Ausnahmefall in ganzer Länge gezeigt (weshalb besser von "hypodiegetischen Fragmenten" die Rede sein müsste). Und er kann nicht auf alle AV-Dokumente ausgedehnt werden (etwa dokumentiert eine Zufalls-Videoaufzeichnung eines Mordes in einem Krimi ein Geschehen, das der Diegese selbst zugehört, allerdings der Szene vorzeitig ist). Allerdings umfasst der Begriff im weiteren Sinne auch Nicht-AV-Dokumente wie Tagebücher nichtdiegetischer Figuren, Romane, historische Erzählungen, Bilder und ähnliches.


Der Begriff des hypodiegetischen Erzählers wurde von Rimmon-Kenan für den innerdiegetischen Erzähler der eingebetteten Erzählung vorgeschlagen (im Kontrast zu Genettes Vorschlag, ihn „metadiegetisch“ zu nennen, weil er der primären Erzählung nicht über-, sondern untergeordnet ist); entsprechend spricht Mieke Bal von Hypoerzählung.


Literatur: Rimmôn-Qênan, Šûlammît: Narrative fiction. Contemporary poetics . London [...]: Methuen 1983, bes. S. 91-97. – Bal, Mieke: Narratologie. Essais sur la signification narrative dans quatre romans modernes . Utrecht: HES 1983. – Nünning, Ansgar: Metanarration als Lakune der Erzähltheorie. Definition, Typologie und Grundriss einer Funktionsgeschichte metanarrativer Erzähleräußerungen. In: AAA - Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik 26,2, 2001, S. 125-164.

Referenzen:

Abimisierung

metadiegetische Musik


Artikel zuletzt geändert am 04.04.2019


Verfasser: HJW


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