Lexikon der Filmbegriffe

Schmierentheater

vom inzwischen ungebräuchlichen und unverständlichen Schmiere = schlechtes kleines Theater, auch für: niveaulose, primitive Wanderbühne; oft auch die Aufführungen der Schmiere übertragen (wie in: Schmierenkomödie ); die Herkunft ist unklar – die seit dem 16. Jahrhundert nachweisbare Bezeichnung wird auf jidd.: simrah (= Gesang) zurückgeführt, manchmal aber auch mit „Schmiererei“ (für: „nachlässig zusammengebaute Stücke“) in Verbindung gebracht; manchmal äquivalent zu: Affentheater ; übertragen auch zur Bezeichnung der Karikaturhaftigkeit (realen) Handelns („politisches Schmierentheater“); engl. manchmal: ham


cf. ham; knock-about comedy; Schmierenkomödiant;


Oberflächliche Inszenierung, chargierendes und übertreibendes, überdeutliches, aber auch dilettantisches Spiel der Akteure, abgeschmackte Effekte und Wendungen, Billigkeit der Requisite – Bestimmungselemente des Schmierentheaters . Wohl im 19. Jahrhundert als spöttisch-abwertende Bezeichnung kleinbürgerlicher und proletarischer Possen und Vaudeville-Theater eingebürgert, erfuhr der Begriff im 20. Jahrhundert etwa als Hinweis auf die Künstlichkeit von Inszenierung und Spiel (etwa im Kabarett; das Frankfurter „Die Schmiere“ wurde 1950 gegründet).


Im Film spielt das Konzept „Schmierentheater“ zum einen eine Rolle als Bezeichnung der Shows armer Leute (wie der Auftritte des „großen Zampano“ in Federico Fellinis La Strada , Italien 1954), von verarmten Kleinbühnen (wie in Der Raub der Sabinerinnen , 1936, Robert A. Stemmle) oder von Aufführungen von Bauern- und anderen Laienbühnen. Zum anderen wird es oft in der Beschreibung von Schauspiel verwendet, das sowohl von realistischem wie emblematischem Spiel getrennt wird. Im besten Fall ist dieses Spiel doppelbödig, so wie Bela Lugosis Dracula-Figur sich durch den Wechsel und die Gleichzeitigkeit von Bösartigkeit, Zynismus und naiver Ergriffenheit auszeichnet.


Manchmal werden auch die Billigformate des Fernsehens (wie vor allem die Seifenoper) als neue Erscheinungsweise des Schmierentheaters angesehen.


Artikel zuletzt geändert am 04.04.2019


Verfasser: JvH


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