Lexikon der Filmbegriffe

Typecasting

dt.: Rollenfach; früher auch nur: Fächer

Die Festlegung von Schauspielern auf einen gewissen Rollentyp nennt man Typecasting. Schon im Theater des 17. und 18. Jahrhunderts hatte sich die Regel herausgebildet, dass Schauspieler ein besonderes Rollenfach besetzten: einzelne Schauspieler wurden immer wieder als Darsteller besonderer Typen eingesetzt. Galt diese Spezialisierung lange als Auszeichnung, wurde sie erst im späten 19. Jahrhundert als Manko empfunden, galt ab nun die Vielfalt der Rollen als Ausweis schauspielerischer Fähigkeiten.
Im Film hat sich die ältere Spezialisierung als Praxis der Besetzung dagegen gehalten. Beispiele finden sich in allen Genres und auf allen Ebenen der Schauspielerei. Im Western haben die Sidekicks Slim Pickens und Dub Taylor zeitlebens ihr Rollenfach kaum verlassen; Edward G. Robinson war zunächst auf Gangsterrollen festgelegt, spielte erst viel später andere Typen; John Wayne sah sich sogar selbst als ideale Verkörperung des raubeinigen amerikanischen Individuums, das er vor allem in Western und Kriegsfilmen gespielt hat.
Manchmal werden Rollen gegen das Rollenfach ihrer Darsteller besetzt. So spielt Clint Eastwood in Honky-Tonk Man (1982) einen Country-Sänger, der vor seinem Leukämie-Tod in der Grand Old Opry auftreten will. Schwarzenegger versuchte, sein Macho-Image in den komischen Rollen in den Reitman-Filmen Twins (1990), Kindergarten Cop (1991) und Junior (1995) aufzubrechen.
So verbreitet das Typecasting im Film auch ist, gibt es auch hier eine Reihe von Schauspielern (wie Dustin Hoffman, Nick Nolte oder Michelle Pfeiffer), die sich erfolgreich gegen eine Eingliederung in Rollenfächer gewehrt haben.

Literatur: Doerry, Hans: Das Rollenfach im deutschen Theaterbetrieb des 19. Jahrhunderts. Berlin: Gesellschaft für Theatergeschichte 1926. – Kaye, Joyce Rutler: Type casting. In: Print 52, July/Aug. 1998, S. 42-45.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


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