Lexikon der Filmbegriffe

Zensur

engl.: censorship

Zensur wird von Personen oder Institutionen vorgenommen, die Aufgaben der Medienaufsicht ausüben. Unter Zensur versteht man die Überprüfung eines Geisteswerks oder einer Meinungsäußerung vor der Veröffentlichung. Meist findet sie in einem formellen Verfahren statt. In der BRD wie in vielen anderen Staaten grundgesetzlich garantiert, dass eine Zensur nicht stattfinde, und eine Prüfung von Medienprodukten findet vor dem Hintergrund der Regulierungen von Jugendschutz und Strafgesetz statt. Doch hat es auch in der Geschichte der BRD eine ganze Reihe von Eingriffen in die öffentliche Diskussion gegeben, die Zensurcharakter haben. Manche Zensur findet als „Selbstkontrolle“ oder als „vorwegnehmende Zensurmaßnahme“ statt, wenn also der Produzent eines Medienwerks im gedanklichen Vorgriff auf die zensurielle Prüfung das Werk verändert und den Zensurkriterien anpasst. Grundsätzlich kann jedes Medium ins Visier von Zensoren geraten. Für je wirkungsvoller ein Medium von Politikern, Kirchenmitgliedern und anderen, die als Zensoren auftreten können, gehalten wird, desto genauer erfolgt die Kontrolle. Und je höher ein Medium im Kunstbetrieb angesehen ist und je ungefragter ihm Kunstcharakter zugebilligt wird, desto weniger Zensuraufmerksamkeit zieht es auf sich. Zensur ist dabei oft die Beeinflussung der Kommunikation mit Volksschichten, denen zumindest implizit die Mündigkeit und Souveränität abgesprochen wird, sich zu einem Kommunikat kritisch zu verhalten. Gerade den trivialen und populären Formen wird große Wirksamkeit bei geringer ästhetischer Qualität zugesprochen – umso dringender scheint es geraten, hier regulierend einzugreifen. Inhaltlich macht sich Zensur meist an den Themen Sexualität, Gewalt, Politik, Religion fest. Insbesondere am Themenfeld der Sexualität lässt sich zeigen, dass Zensur immer mit der Gefahr zu kämpfen hat, sich auf eine problematische Normalitätsvorstellung auszurichten, selbst repressiv und normativ zu sein und dabei doch nur den Normenkodex einer besonderen sozialen Gruppe als allgemeinverbindliche Lebens- und Anschauungsnorm anderen sozialen Gruppen aufzuzwingen.

Literatur: Buchloh, Stephan: Eingriffe in die Freiheit des Journalismus und der Kunst. Eine Typologie von Zensurformen. In: Chancen und Gefahren der Mediendemokratie. Hrsg. v. Wolfgang Donsbach u. Olaf Jandura. Konstanz: UVK 2003, S. 82-94.

Referenzen:

Abnahme

Aktion Saubere Leinwand

Altersfreigabe

Banned in Boston

Bioscoopwet

bootleg / bootlegging

British Board of Film Censors (BBFC)

Filmoberprüfstelle

Filmpiraterie

Filmprüfstelle

Filmzensur: Geschichte bis 1906

Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)

Gewaltdarstellung: Zensur

Haute Commission International des Territoires Rhenans (HCITR)

Hays-Code: Gründung

Hays-Code: Praxis und Ende

Index

Kaninchenfilme

Lichtspielgesetz (1934)

Miller-Urteil

Mutzenbacher-Urteil

Polizeifilmzensur

Regalfilm

Reichsfilmzensur: Zensurkarte

Verbot

Video Nasties

Zensur im Film

Zensur: § 131 StGB (Film und Gewaltverherrlichung)

§ 184 StGB

Zensurauflagen

Zensurfall

Zensurkarte


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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