Suchergebnisse für die Suche nach: oralität



1.

Oralität

Der Altphilologe Milman Parry begründete in der 1920er und 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts die sogenannte Oralitätsforschung. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Techniken des (kollektiven) Erinnerns und Vortragens eine Gesellschaft, die kein verbreitetes Schriftsystem kennt, entwickeln muss(te), um Wissen und Informationen weiterzutransportieren. Beschäftigte sich Parry anhand der Homerschen Epen noch hauptsächlich ... [weiterlesen]
2.

morality play

von spätlat.: moralitas = „Sittlichkeit“; amanchmal nur: moralities; dt. Moralität; franz. moralité;Literaturgeschichtlich eigentlich ein lehrhaftes Schauspiel vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, das in der jeweiligen Volkssprache den Lebensweg bzw. eine Lebensphase eines Menschen dramatisiert und dabei vornehmlich abstrakte Moralvorstellungen (Tugenden, Laster sowie Allegorisierungen von Leben und Tod) in personali ... [weiterlesen]
3.

Systemkritik

... delt werden, sei es, dass es um soziale Subsysteme geht (wie die Rolle korrupter Gewerkschaften, die Repressivität der Kirchen und dergleichen mehr), sei es, dass sich die Kritik auf Tugendsysteme und die Moralität des Handelns richtet (wie Geschichten um Denunziation, Gier, Bestechlichkeit etc.) – immer ist der Zuschauer mitgedacht, der die oft nur implizit vorhandene Kritik für sich ausformulieren und in eine „Moral von der Geschichte“ übersetzen muss.Vor allem systemkritische Spielfilme argumentieren kasuistisch, erzählen ihre Geschichten als Exempla: Die Repressivität des Systems zeigt sich an dem, was es einzelnen zufügt. Vor allem unter Bedingungen der Kontrolle der Filmproduktion formulieren Filme ihre Kritik auch implizit in Parabeln und Allegorien (wie z.B. L‘Argent, Frankreich 1928, Marcel L‘Herbier), enden womöglich als Dystopien oder Endzeitvisionen. Andere entscheiden sich für größtmögliche Direktheit und klagen in bitteren Milieustudien die herrschenden Zustände an, wie in ... [weiterlesen]
4.

Besserungsstück

Wohl in den spätmittelalterlichen Moralitäten und dem jesuitischen Schuldrama entwickelte sich das Besserungsstück, in dessen Mittelpunkt ein Mensch steht, der sich aus Dummheit, Unzufriedenheit oder Vermessenheit nicht der gesellschaftlichen oder göttlichen Ordnung fügt, im Verlauf des Stückes aber zu einem Guten gewandelt wird. Auch in den modernen Anverwandlungen haben Besserungsstücke immer ein glückliches ... [weiterlesen]
5.

Neorealismus: Konzept

... en; - die Aufnahmen seien an Originalschauplätzen zu machen. - Besonders betont soll der Chronik-Charakter der Wirklichkeitsdarstellung werden, damit das Dokumentarische, die Kollektivität und die Choralität von Handlungen mit der Echtheit sozialer Milieus und ihrer Sprache, des Dialekts, zur Geltung kommen. Diese Kriterien werden selten praktisch durchgehalten, am meisten treten sie in den Umfrage-Filmen und den Episoden- bzw. Omnibusfilmen in Erscheinung. Vor allem der Gesichtspunkt der Chronik ist konzentriert in Zavattinis Vorstellung des Film-Lampo, des Blitzlicht-Films, in dem soziale Ereignisse aus der Zeitungschronik in ihrer Einbettung in die entsprechende Erfahrungswelt dargestellt werden sollen.Hingewiesen sei auf den maßgebenden Einfluss, den der Neorealismus und seine durchaus vielfältige Ästhetik als Orientierung für viele und unterschiedlichste Filmemacher und –theoretiker in der Folge gehabt haben.Literatur: Farassino, Alberto (Hrsg.): Neorealismo – cinema italiano 1945-1949. Torino: EDT 1989. – Micciché, Lino (Hrsg.): Il neorealismo cinematografico italiano. 3. Aufl. Venezia: Marsilio 1999. – Brunetta, Gian Piero: Il cinema neorealista italiano – da „Roma città aperta“ a „I soliti ignoti“. Rom/Bari: Laterza 2009. – Noto, Paolo, Pitassio, Francesco: I1 cinema neorealista. Roma: archetipolibri 2010. – Haaland, Torunn: Italian Neorealist Cinema. Edinburgh: University Press 2012.   ... [weiterlesen]
6.

cinema of evil

... ouml;rerische, sexuelle Aggression gegen dem Anderen. Große Teile der Filmkritik wollen in derartigen Filmen kunstgewerbliche Pornographie sehen oder wenden sich gegen ihre vermeintlich erbärmliche Amoralität.Beispiele: Sombre (Dunkle Triebe, Frankreich 1998, Philippe Grandrieux); A ma Soeur! (Meine Schwester, Frankreich/Italien 2001, Catherine Breillat); La Vie nouvelle (Verraten und verkauft, Frankreich 2002, Ph. Grandrieux).Literatur: Beugnet, Martine: Evil and the senses: Philippe Grandrieux's Sombre and La Vie nouvelle. In: Studies in French Cinema 5,3, 2005, S. 175-184. – Maddock, Trevor H. /Krisjansen, Ivan: Surrealist poetics and the cinema of evil: the significance of the expression of sovereignity in Catherine Breillat́s A Ma Soeur. In: Studies in French Cinema 3,3 2002, S. 161-171. ... [weiterlesen]
7.

Toronto School

... ewählte Texte. Wien/New York [...]: Springer 1997. – McLuhan, Marshall: The Gutenberg galaxy : the making of typographic man. Toronto: Toronto University Press 1962. Dt. 1968. – Ong, Walter J.: Oralität und Literalität, die Technologisierung des Wortes. Opladen: Westdeutscher Vlg. 1987. Engl. 1982. ... [weiterlesen]
8.

poetische Gerechtigkeit

... Lastern der Figuren koordiniert werden sollte. Rymer nahm das Drama als ein eigenes, in sich geschlossenes Universum, von dem er erwartete, dass es nach idealen Prinzipien der Ausstattung (des decorum) und der Moralität gestaltet sein sollte. Insbesondere sollte am Ende die Werteordnung wieder hergestellt werden und sich nicht nach den Zufallsprinzipien entwickeln, wie es oft in der äußeren Realität geschieht. Dem Prinzip der poetischen Gerechtigkeit ist oft widersprochen worden, weil es der Dichtung eine Normenkonformität verordne, die gegen ästhetische Aufgaben verstoße, aber auch, weil es die Möglichkeiten eines tragischen Endes verhindern würde. Gleichwohl das Postulat der ausgleichenden Gerechtigkeit in den Programmatiken des Theaters oder des Films heute kaum noch auftaucht, zeigt schon ein kurzer Blick in die Praxis der populären Gebrauchsdramatur ... [weiterlesen]
9.

Dirnenfilm

... it der oft dem Milieu der „kleinen Leute“ entstammenden Frauen.Dass diese Geschichten mit sozialer Realität zusammenhängen und die Verlogenheit einer öffentlich geäußerten Moralität im Kontrast zur sozialen Praxis bloßlegten, wurde spätestens mit dem Frankfurter Nitribitt-Skandal (1957) deutlich, der bereits 1958 filmisch aufgearbeitet wurde (Das Mädchen Rosemarie, Rolf Thiele; Remake: BRD 1996, Bernd Eichinger). Jean-Paul Sartres Stück Die ehrbare Dirne (1946, verfilmt als La p... respectueuse, Frankreich 1952, Charles Brabant, Marcello Pagliero) hatte schon früher eine scharfe Kapitalismus- und Rassismuskritik in den Motiven der Dirnenliteratur formuliert. Mogens Vemmers fast dokumentarisch anmutender Film Gade uden ende (Straße ohne Ende, Dänemark 1963) markiert das Ende des Dirnenfilms, dessen Bezeichnung bereits auf eine höchst ambivalente Motivation zwischen Voyeurismus und moralischer Empörung hindeutet, die ihn zudem eher als Redeweise einer moralisierenden Filmkritik denn als Genre des Films qualifiziert. ... [weiterlesen]