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Absenz (2)

von lat.: absentia = Abwesenheit

Die Zeit- und Erlebnisform, die mit dem Wahrnehmungsraum Kino verbunden ist, ist die der erlebten Gegenwärtigkeit von Abwesendem, in (zumindest potenziell) unendlicher Wiederholbarkeit. Kino basiert auf Illusion und thematisiert sie gleichzeitig. Die Illusion des Gegenwärtigen entfaltet sich im Horizont des Textes, ist selbst vorgefertigt, keine spontane, sondern eine gelenkte Gegenwärtigkeit. In diesem Bewusstseinszustand zwischen Absenz und Präsenz des Objekts der Aneignung wird auf Wissen zurückgegriffen, das die Anwesenheit der Bilder um Abwesendes erweitert, dadurch erst seine spezifische Wirkungsform erlangend. Leere Bilder der KZs in Nuit et Brouillard (Frankreich 1955, Alain Resnais) werden um die „Wissensbilder“ dessen, was am gezeigten Ort einmal geschehen ist, angereichert; Bilder der jungen Schauspieler überlagern Aufnahmen im Alter; und manchmal thematisieren Filme die Abwesenheit der Vorbilder selbst, wenn etwa Marilyn Monroe und James Dean erkennbare Bezüge zu Cary Grant und Deborah Kerr herstellen.
 

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