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Abweichende Erzählmuster

In westlichen Kulturzusammenhängen wird ein narratives Muster in Spielfilmen, deren Dramaturgie als ungewöhnlich und/oder innovativ empfunden wird, oft als „abweichendes Erzählmuster“ kategorisiert. Allerdings wird die Frage, was genau als abweichend und innovativ gilt, nicht immer gleich beantwortet, sondern ist von historischen Prozessen und wandelbaren Sehgewohnheiten abhängig. Grundsätzlich jedoch bleibt die Dramaturgie – ganz im Unterschied zum experimentellen Spielfilm – dem formalen Rahmen des westlichen Erzählkinos verhaftet, und die Abweichungen selbst sind ein eher punktuelles Phänomen. Viele der Filme, die als narrativ „abweichend“ gefasst werden, gehören dem Autorenkino der Zeit nach den „Neuen Wellen“ an – wie z.B. Pierrot le Fou (Jean-Luc Godard, 1965), Blow Up (Michelangelo Antonioni, 1967) oder The French Lieutenant‘s Woman (Karel Reisz, 1981).
Die Wahl eines abweichenden Erzählmusters geschieht stets im Bewusstsein dessen, wovon abgewichen wird und birgt insofern immer ein gewisses Maß an Kritik. Dagegen ist die Wahl einer fremden Erzähltradition nicht zwangsläufig an das Wissen westlicher Narrationsmuster gebunden, also auch nicht automatisch als Kritik am Westen zu verstehen – obwohl beides natürlich häufig Hand in Hand geht.