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Acoustic driving

Als acoustic driving wird ein besonderer Leib-Aspekt der Rhythmuswahrnehmung bezeichnet, bei dem der Hörer sich an beschleunigende oder verlangsamende Rhythmen körperlich anlehnt: Es kommt zu Veränderungen der bioelektrischen Hirnaktivität (genauer: der Alpha-Wellen im EEG) sowie zu Veränderungen von Puls und Atemfrequenz. Wenn eine gewisse Lautstärke überschritten ist, ist diese Adaption, die von Holst als „Magnet-Effekt“ bezeichnet wurde, kognitiv kaum zu kontrollieren oder zu unterdrücken. Ähnliche Adaptionsleistungen lassen sich auch mit optischen Reizen hervorrufen (photic driving). Die empirischen Arbeiten zum Thema sind sehr rar, so dass das Phänomen selbst der Erklärung harrt. Möglicherweise werden beim acoustic driving Hirnregionen angesteuert, die nicht nur mit vegetativen und motorischen Begleitreaktionen zusammenhängen, sondern die vor allem die Ausschüttung körpereigener Opiate oder Endorphine anregen und mit einer allgemeinen Erhöhung der Aktivität korrespondieren. Es ist oft vermutet worden, dass dieser Effekt in der Filmrezeption vor allem mit Strategien der Spannungserzeugung interagiert und dabei eine leibeigene, vor allem musikvermittelte Anteilnahmedimension eröffnet.

Literatur: Behne, Klaus-Ernst: Befindlichkeit und Zufriedenheit als Determinanten situativer Musikpräferenzen. In: Musik-Psychologie. Empirische Forschungen, ästhetische Experimente. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie 1, 1984, S. 7-10. – Clynes, Manfred (ed.): Music, mind and brain. The neuropsychology of music. New York and London: Plenum Press 1982; darin S. 172-179. – Zatorre, Robert J.: Music and the brain. In: The Neurosciences and Music 1, 2003, S. 4-14.