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afilmisch

Die Begriffe „afilmisch“ bzw. „das Afilmische“ entstammen der von der Ecole de Filmologie erarbeiteten Terminologie, die sich zum Ziel setzte, die verschiedenen Aspekte des so genannten „filmischen Universums“ von einander zu unterscheiden. In einer von Etienne Souriau verfassten Definition heißt es, das Afilmische umfasse „dasjenige, was unabhängig von den kinematographischen Tatsachen existiert oder nützlicherweise unabhängig von seiner möglichen Beziehung mit diesen betrachtet werden kann“. Als Beispiel führt Souriau den Hintergrund bei Außenaufnahmen an, der „von der afilmischen Wirklichkeit angeboten und zu diesem Zweck ausgewählt wird, obwohl dies ursprünglich nicht in seiner Bestimmung lag“. Hieraus leiten einige Autoren ab, dass das Afilmische in Opposition zum Profilmischen stehe, dessen Bereich in einer solchen Auffassung entsprechend eingeengt wird auf Dinge wie z.B. Studiobauten, die speziell Aufnahmezwecken dienen. Gegen eine solche Auffassung des Afilmischen spricht der erste Teil von Souriaus Definition, der das Afilmische von den kinematographischen Tatsachen strikt unterscheidet und dessen Unabhängigkeit von diesen hervorhebt. Hiernach kann die afilmische Welt nie als solche vom Film erfasst werden (denn damit würde sie zu einer kinematographischen Tatsache). Deshalb plädieren andere Autoren dafür, die afilmische Wirklichkeit als eine Gegebenheit jenseits des filmischen Universums aufzufassen, auf die Filme nur verweisen können, während alles, was sich vor der Kamera befindet, dem Bereich des Profilmischen angehört. Dies ist vor allem für die Verwendung der Begriffe innerhalb der Theorie des Dokumentarfilms relevant. Laut der ersten Lesart zeichnet der dokumentarische Film die afilmische Wirklichkeit auf, laut der zweiten kann diese lediglich Bezugspunkt für den filmischen Diskurs sein, während das aufgenommene Bild allein zeigt, was zum Zeitpunkt der Aufnahme profilmisch anwesend war. Die verschiedenen Definitionen bei Souriau lassen jedoch beide Auffassungen zu.