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Agent / Agentenfilm

Agenten sind den Spionen eng verwandt. Es handelt sich um Figuren im Spielfilm, insbesondere im Agenten- oder Politthriller, gelegentlich auch im Wirtschaftskrimi und in der (Agenten-)Komödie, die im Auftrag einer fremden und unbefugten Macht oder des eigenen Staates Geheimnisse erobern oder sichern müssen. Die Agentenmotive sind schon in der Literaturgeschichte der Spionage entwickelt worden. So ist die Figur des Bulldogg Drummond und ihres Gegenspielers schon in den 1920er Jahren entwickelt und in den 1930ern für den Film adaptiert worden.
Der Agentenfilm ist eine Abspaltung aus dem Spionagefilm, in der die politischen Motive immer weiter zurückgenommen werden. Es bilden sich zum einen Superhelden-Agenten vom Schlage James Bonds heraus, zum anderen eine eigene Gruppe von Akteuren, die man im weitesten Sinne als „Auftragsagenten“ beschreiben könnte. Diese arbeiten nicht dauerhaft als Spione, sondern erledigen besondere Aufgaben. Vor allem gehören einige Killer zu dieser Gruppe. Clint Eastwood hat gleich mehrfach eine derartige Rolle gespielt: In Where Eagles Dare (1968) spielt er einen Killer bei einem militärischen Einsatz; in The Eiger Sanction (1975) ist er ein Auftragskiller, der im Auftrag des (amerikanischen?) Geheimdienstes andere Agenten umbringt. Agentenfilme basieren häufig auf einem Genremix: Da werden Elemente des Kriegsfilms, des Bergfilms, des Actionfilms usw. bemüht und geben der Spionagegeschichte eine Handlungs-Einkleidung, in der das Politische, die Frage der Überzeugungen etc. keine nennenswerte Rolle mehr spielt. Daneben findet sich eine Reihe von parodistischen Agentenfilmen (wie Les Barbouzes, 1964, Le Magnifique, 1972, oder Fernsehproduktionen wie Get Smart, dt.: Mini-Max oder die unglaublichen Abenteuer des Maxwell Smart, 1965-1970).
Die Filme beziehen ihre Spannung daraus, dass Agenten und Spione bedingungslos und außerhalb von Gesetz und Moral agieren müssen (und oft auch explizit dazu ermächtigt sind – sie haben oft eine license to kill). Sie verfügen über undurchsichtige Beziehungsnetze, spektakuläre Geheimwaffen und nie versiegende Geldmittel. Sie bewegen sich nicht nur im vertrauten Alltag, sondern zugleich in schäbigen Unterwelten, auf dem glamourösen Parkett der internationalen Diplomatie und auf der militärischen Chefetage länderübergreifender Konflikte. Agenten und Spione sind per Definition einsam und jederzeit in Gefahr, so dass in ihren Geschichten oft eine paranoide Grundstimmung vorherrscht. Die Anzahl filmischer Agentinnen ist übrigens auffällig klein; wenn sie überhaupt auftreten, dann meist als Nebenfiguren, die für den männlichen Sympathieträger eine (zeitweilige) Bedrohung darstellen. Eine leichtere, mit zuweilen pubertierendem Humor durchsetzte Spielart dieser Figur ist James Bond.

Literatur: Miller, Toby: Spyscreen. Espionage on film and TV from the 1930s to the 1960s. Oxford: Oxford University Press 2003. – Schäfer, Horst / Schwarzer, Wolfgang: Top secret. Agenten- und Spionagefilme. Personen, Affären, Skandale. Berlin: Henschel 1998.