Metainformationen zur Seite

Agitation

Der Begriff bezieht sich weniger auf Form oder Inhalt eines Films, sondern in erster Linie auf dessen Funktion: Das Publikum soll zu (sozial-)politischem Handeln gebracht werden, an dessen Ende ein klar umrissenes Ziel steht. Aufrüttelnde Wirkung ist wichtiger als objektive und ausgewogene Information. Dies geschieht oft in der Form emotionalisierender Rhetorik und innerhalb eines in der außerfilmischen Welt bestehenden Argumentationszusammenhangs. Agitation findet sich besonders oft im humanitären, inszenierten oder Semidokumentarfilm, im experimentellen Spielfilm sowie im Arbeiterfilm und im Radical Cinema. Das Spektrum der Motive reicht von Systemkritik und Widerstand über Arbeits- oder Befreiungskampf bis hin zur Propagierung der Werte von Kommunismus und (russischer) Revolution. Beispiele: Statschka (Sergej Eisenstein, 1924), Kuhle Wampe… (Slatan Dudow, Bertolt Brecht, 1932), Züri brännt (anonym, Schweiz 1980).
Der Unterschied zwischen Agitation und Propaganda ist schwer zu ziehen. Tendenziell jedoch benennt die Agitation ihre (linkspolitischen) Positionen und Ziele deutlich und ist meist konkret handlungsbezogen. Demgegenüber verfährt die Propaganda eher manipulativ, ihr Ziel liegt weniger darin, das Publikum zu bestimmten Handlungen zu bewegen, als vielmehr darin, seine Einstellungen und Haltungen zu verändern. Die Grenze zwischen den beiden Begriffen bleibt aber fließend.

Literatur: „Agitation“. Berlin: Künstlerhaus Bethanien 2003. Katalog. – Beck, Martin: „Rhetorische Kommunikation“ oder „Agitation und Propaganda“. Zu Funktionen der Rhetorik in der DDR - eine sprechwissenschaftliche Untersuchung. St. Ingbert: Röhrig 1991 (Sprechen und Verstehen. 1.).
 

Referenzen