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American Zoetrope

Während der Dreharbeiten zu The Rain People (1969) hatten Francis Coppola und George Lucas die Vision einer Filmkommune, deren Mitglieder bis zu dreißig Jahre alt waren, Ideen und Ausrüstung miteinander teilten und damit eine friedliche Alternative zu der sinnlosen Verschwendung in Hollywood demonstrierten. Coppola gründete am 4.11.1969 die American Zoetrope, stattete sie mit dem technischen Equipment der Lanterna Films aus Dänemark für mehr als $100.000 aus und produzierte neben The Rain People auch Lucas‘ THX-1138 (1970). Als Warner Bros., deren Verleihgarantie die Finanzierung ermöglicht hatte, beide Filme als Flops einstufte, war die American Zoetrope am Ende. Sie produzierte noch kurze Zeit Werbe-, Porno-, Lehr- und Dokumentarfilme, bevor das Studio 1970 geschlossen wurde.
Nach dem gescheiterten Experiment mit American Zoetrope und dem kassensprengenden Erfolg des Paten unternahm Francis Coppola einen zweiten Versuch, sich (wenigstens teilweise) vom etablierten Studiosystem zu lösen. 1972 gründete er zusammen mit seinen Regiekollegen William Friedkin und Peter Bogdanovich die Director's Company. Paramount beteiligte sich mit 31,5 Millionen Dollar und sicherte sich damit die Hälfte der erwarteten Box-Office-Gewinne. Wieder ging es darum, den Produktionen des New Hollywood eine formale Klammer zu geben – zwölf Filme sollten in den folgenden zwölf Jahren entstehen. Nach dem Misserfolg von Bogdanovichs Daisy Miller (1974) musste auch dieses Projekt aufgegeben werden. Den folgenden Film Apocalypse Now (1979) finanzierte Copppola durch die 1975 gegründete Omni Zoetrope. 1979 investierte er 6,7 Millionen US-$ Gewinne aus den Godfather-Verfilmungen in den Kauf des Hollywood-General-Geländes, das in Zoetrope Studios umbenannt wurde. Der Misserfolg von Coppolas One from the Heart (1982) leitete den Bankrott des Studios ein (1990).

Seine Einkünfte steckte Coppola in ein heruntergekommenes Weingut im Napa Valley, das schnell zu seiner Haupteinnahmequelle wurde. Und aus Zoetrope machte er eine kleine Innovationsfirma, denn den Traum von einem Hollywoodstudio hat er nie ganz aufgegeben. Mit seinen spannendsten Aktivitäten ist Coppola inzwischen ins Internet abgewandert. Zoetrope – All Story – eine literarische Gazette, die seit 1998 innovativen Drehbuchnachwuchs zu aquirieren sucht –, Zoetrope Screenplay Submission – das Projekt einer internetvermittelten Drehbuchagentur –, Zoetrope Virtual Studio – 2000 als Internet-Plattform für Drehbucharbeit und Filmmusik gegründet –: Zoetrope ist nach wie vor aktiv, hat mit Filmen von Hal Hartley (No Such Thing, 2002) und Sofia Coppola (The Virgin Suicides, 2000) und der Neuverwertung von Apocalypse Now Redux (2001) auch wieder Erfolge. In den mehr als dreißig Jahren Produktionsgeschichte haben Filme von Zoetrope 15 Oscars erhalten, wurden 68mal nominiert (Stand: 2002).