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analytische Montage

engl. manchmal (in einem eher technischen Sinne): analytical editing

Der Zusammensetzung eines Ganzen aus Teilen entspricht aber auch eine Zerlegung des Ganzen in seine Teile. Das Wesen der Montage ist durch beide komplementären Aspekte bestimmt, und es ist nötig, sie unter beiden Aspekten zu behandeln. Den verschiedenen Formen der Synthese der Bilder (bzw. der in ihnen abgebildeten Dinge und Ereignisse) entsprechen verschiedene Formen der Analyse dieser Dinge und Ereignisse in Segmente, Elemente, Beziehungen usw., die durch einzelne Bilder bzw. spezifische Verknüpfungen der Bilder wiedergegeben werden können. Ein wichtiges Grundprinzip der Montage (allerdings nicht jeder Art der Montage) ist die Analyse menschlicher Handlungen: sie zergliedert (oder artikuliert) das abgebildete Geschehen und setzt es neu zusammen. Indem sie bei dieser Artikulation auch der Artikulation der menschlichen Handlungen folgt, modelliert sie diese. Verschiedene Filmtheoretiker – wie z. B. Pudovkin und Lindgren – haben den analytischen Charakter der Montage immer wieder herausgestellt. Die Analyse eines komplexen Handlungsgeschehens gründet sich oft auf Prinzipien, die der Wahrnehmung dieses Geschehens durch einen Beobachter unterliegen. Wer eine komplexe Handlung beobachtet, ist nicht passiv passiv, sondern wählt aktiv aus, was er sehen will; was er auswählt, hängt vom Gang seiner Interpretation des Handlungsverlaufs ab. Dieses 'Beobachtermodell' der Filmmontage bzw. der filmischen Auflösung gehört zum Repertoire derjenigen Filmstile, die Bazin unter dem Begriff des ,psychologischen Realismus‘ zusammenfasst. Selbstverständlich sind aber nicht alle filmischen Stile auf diese Technik verpflichtet.

Literatur: Möller, Karl-Dietmar: Auflösung, analytische Montage und filmische Wahrnehmung. In: Film und Psychologie. 1: Kognition, Rezeption, Perzeption. Hrsg. v. Gerhard Schumm u. Hans J. Wulff. Münster: MAkS Publikationen 1990, S. 211-226.

Referenzen