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Angstlust

Das Phänomen der gleichermaßen angst- wie lustbesetzten – in der Summe als genussvoll empfundenen – Teilnahme an schrecklichen Ereignissen (Katastrophentourismus) und Inszenierungen ist seit der Antike bekannt. Dabei wurde dieses Bedürfnis auf Jahrmärkten, in Theateraufführungen, durch Schauergeschichten oder Märchen genährt und gestillt. Die Unterhaltungsliteratur hat dies aufgegriffen, später der Film und das Fernsehen. In allen Formen der Angstlust ist die Aufrechterhaltung der ästhetischen Illusion ebenso wie der Distanz wichtig, die Situation ist für den Rezipienten gefährlich und nicht wirklich gefährlich zugleich. Allerdings bieten sich in neuen Szenarien wie Bungee-Springen oder Freeclimbing Formen der Angstlust heraus, die den audiovisuellen (= sicheren) Rahmen weit hinter sich lassen. Für die Zukunft versprechen Anwendungen der virtuellen Realität neue Formen der angstlustvollen Unterhaltung, wichtig bleibt aber auch bei diesen Formen das Bewusstsein des Als-Ob des Spiels. Erklärungsmuster nennen kathartische Effekte oder erklären die Suche nach Thrill durch psychologische Grundtypen (Balint).

Literatur: Michael Balint: Angstlust und Regression. Stuttgart: Klett-Cotta 1994.