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Animadok

Kunstwort aus Animation(sfilm) und Dokumentarfilm; der Terminus wurde bekannt, als das Leipziger Dokumentarfilmfestival in 1997 eine eigene Sektion „AnimaDok“ einführte

Nicht erst seit den 1930ern gibt es Mischformen des dokumentarischen Films, in denen Animationen Teile der Präsentation übernehmen oder sogar in Gänze als Zeichentrick realisiert sind, ohne den Anspruch als Dokumentarfilm aufzugeben (mit zahlreichen Mischungen zum Sach- und zum Lehrfilm). Es sind ganz verschiedene Gründe, die zum Einsatz von Tricksequenzen führen: Es mag die Abstraktheit der Inhalte sein, die Komplexität der Zusammenhänge, die Unabbildbarkeit des Intendierten, die vor allem den Einsatz von Schaubildern, Verlaufsdiagrammen und ähnlichem erforderlich macht. Zeichentrick findet sich seltener, etwa in dem halblangen, klar subjektivierten Betongold: Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam (BRD 2013, Katrin Rothe), in dem Aufnahmen mit den Vermietern der Protagonistin untersagt waren und durch schlicht gehaltene Zeichentrick-Sequenzen ersetzt wurden (und dadurch an Schärfe gewannen); ein anderes bekanntes Beispiel ist Khodorkovsky (BRD 2011, Cyril Tuschi), der in Teilen animiert wurde, weil Aufnahmen der Verhaftung des Titelhelden schlicht nicht vorhanden waren. Dokumentarische Animations-Langfilme sind selten; zu den Ausnahmen gehören der im Iran spielende Persepolis (Frankreich/USA 2007, Marjane Satrapi,Vincent Paronnaud) und der den Libanonkrieg von 1982 verarbeitende, strikt subjektiv erzählte Waltz with Bashir (Israel [...] 2008, Ari Folman). Die Mischung der Darstellungsmodi führt immer zu einer ästhetischen Distanzierung vom Gegenstand.

Online-Portal: www.animateddocumentary.com.

Literatur: Hoffmann, Kay: Gezeichnete Wirklichkeiten. Dokumentarfilm und Animation. In: Spiel mit der Wirklichkeit. Hrsg. v. Kay Hoffmann, Richard Kilborn, Werner C. Barg. Konstanz: UVK 2012, S. 177-194. – Allen, Sharon Lubkemann: Lotmani maailm / Lotman's World directed by Agne Nelk. [Review.] In: Film & History 43,1, 2013, S. 92-95.