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anthology series

dt. etwa: Episodenserie; manchmal treffender: „Reihe“; im Engl. wird manchmal typologisch unterschieden: dramatic anthology series und dramatic series with continuing characters; die einzelnen Folgen werden meist als anthology drama bezeichnet

Als anthology series bezeichnet man eine Radio- oder Fernsehproduktion, die regelmäßig als Serie unter einem Seriennamen am gleichen Sendeplatz ausgestrahlt werden, die aber jeweils für sich eine abgeschlossene Geschichte erzählen. Es wechseln meist die Darsteller, die Schauplätze, manchmal sogar die Genres der einzelnen Beiträge; allerdings gibt es auch Beispiele, in denen die gleichen Schauspieler in ganz unterschiedlichen Rollen über eine ganze Reihe von Filmen der Reihe auftreten. Das Format entstand bereits in den späten 1920ern im Radio, des öfteren finanziert von Zeitschriften, deren gedruckte Geschichten nun in ein Hörformat umgesetzt wurden (neben Collier‘s Weekly spielte The Saturday Evening Post eine bedeutende Rolle). Das US-Fernsehen übernahm bereits in den frühen 1950ern das Format, das schnell so beliebt wurde, dass auch Hollywood-Stars wie Ida Lupino, Charles Boyer oder David Niven verpflichtet werden konnten. Dabei wurden vor allem in den USA alle Genres, die auch im Film eine Rolle spielten, bedient, von der SF über den Horror bis zur Fantasy (darunter z.B. die 266 Folgen der Reihe Alfred Hitchcock Presents, 1955-62, und die 93 Episoden der The Alfred Hitchcock Hour, 1962-65). Auch anderen Nationen bedienten sich des Formats; verwiesen sei auf die englische Reihe The Wednesday Play, die die Tradition des sozialrealistischen Kinos im Fernsehen fortsetzte (1964-70).
Reihen stehen bis heute im Medienverbund (Buch, Radio, DVD usw.); noch The Twilight Zone wurde z.B. als radio anthology series realisiert (2002ff). Seit den 1970ern gibt es einen vermehrten internationalen Austausch von Filmen aus den Anthologie-Reihen. Heute werden manchmal ganze Reihen, oft aber auch nur einzelne Folgen in anderen Ländern gezeigt. Das bekannteste deutsche Reihenformat ist die seit 1971 laufende Hybrid-Reihe Tatort, die zu den weltweit am längsten produzierten Reihen überhaupt gehört.

Literatur: Thumim, Janet (ed.): Small screens, big ideas. Television in the 1950s. London [...]: I.B. Tauris 2002. – Filmographie: Brooks, Tim / Marsh, Earle: The complete directory to prime time network and cable TV shows, 1946 to the present. 9th ed., completely rev. and updated. New York: Ballantine Books 2007.
 

Referenzen