Metainformationen zur Seite

Antike und Sciencefiction-Film

SF-Filme verschiedenster Provenienz bedienen sich auf unterschiedlichen Ebenen antiker Elemente und inszenieren das Zukünftige so zugleich als historische Anspielung und wesenhafte Fremdheit. Die über Jahrhunderte lebhafte Rezeption antiker Stoffe und Motive in diversen Kunstformen erklärt, warum sich derartige Subtexte in den Zukunftsfilmen finden lassen. Besonders wirkmächtig wurde die Antike als Hypotext für das Genre durch die Assimilierung des Motivs der Heldenreise (Aufbruch eines Helden, Begegnung mit einem Mentor, Prüfungen, Rückkehr) in zukünftigen Handlungswelten, die schon in der Antike selbst ihren Ursprung nahm (etwa in den Erzählungen Lukians). Insbesondere die Star-Wars-Filme von George Lucas, aber auch die vielfachen Reisen und Abenteuer der Star-Trek-Raumschiffe greifen formal und inhaltlich auf antike Stoffe zurück. (1) Es werden Mythen variiert und aktualisiert: Die Darstellung der Cyborgs etwa variiert (man denke an Data und Seven of Nine aus Star Trek) den antiken Mythos von Pygmalion; oder die durch die Maschine von der Realität abgeschirmte Menschheit in Matrix (USA 1999) schließt an Platons Höhlengleichnis an. (2) Verschiedene historische Epochen und Kulturkreise liefern Anregungen zur Ausgestaltung fremder Welten, von politischen Strukturen (wie den Senat) über Formen der öffentlichen Unterhaltung (etwa Gladiatorenkämpfe) bis zur sächlichen Ausstattung (wie das Gewand der Toga). (3) Die Andersartigkeit außerirdischer Kulturen wird manchmal in der Darstellung der Geschlechterverhältnisse konstruiert, matriarchale Kulturen verweisen so auf den antiken Mythos der Amazonen.

Der Eklektizismus derartiger Stoffanlehnungen funktioniert vor allem auch deswegen, weil antike Inhalte nicht mehr zu den Bildungsgütern zählen, sie vielmehr einen der Gattung des SF-Films zuträglichen Exotismusfaktor garantieren.

Literatur: Wenskus, Otta: Umwege in die Vergangenheit. Antikerezeption in Star Trek. Innsbruck: Studia-Verlag 2008. – Wieber, Anja (Hrsg.): Drehbuch Antike. Themenheft: Der Altsprachliche Unterricht, 6, 2007.