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Antinazifilm

Im Rahmen ihres Beitrages zur amerikanischen Propagandakampagne des Zweiten Weltkrieges produzierte die Hollywood-Filmindustrie zwischen 1939 und 1946 über 180 Filme, die als Antinazifilme bezeichnet werden können, weil sie sich genreartig – durch ihre Handlungsführung, die Figuren, die Schauplätze oder ähnliches – auf Nazi-Deutschland beziehen. Ohne die Möglichkeit, die Nazis mittels der sonst in Hollywood üblichen rassistischen Codes als Feind zu kennzeichnen (was bei den Japanern sehr effektiv gelang), konstruierte die amerikanische Filmindustrie fiktionale Geschichten, die ideologische Entscheidungsfragen und -konflikte visualisierten Geschichten vom Leben im europäischen Untergrund und vom Widerstand gegen die ‚Neue Ordnung‘, von Nazis vor der amerikanischen Küste und Gegnern in den Rüstungsfabriken. In den Anti-Nazi-Filmen wurde die amerikanische Demokratie zum significant signifier, zum umfassenden Zeichen für alles, das den nazistischen Regimen entgegengestellt war. Die ideologischen Attribute – moralische Werte, normative Verhaltensmuster oder kulturelle Referenzen – dienten sonst der amerikanischen Konstruktion nationaler Identität. Der deutsche Faschismus hingegen bedeutete Militarismus, Kollektivismus, Zensur, staatliche Gewalt, Genozid, Atheismus, Opportunismus und Promiskuität. Die stark vereinfachte Polarität zwischen Faschismus und Demokratie, Deutschland und Amerika, konstruierte ein Feindbild, das genauso mythische Züge trug wie die idealisierte amerikanische Ideologie einer liberal-demokratisch verfassten Gesellschaft.

Weitere Genreelemente entstammten dem Western, dem Kriminal- und Spionagefilm und dem film noir.

Literatur: Birdwell, Michael Edward: Das andere Hollywood der dreißiger Jahre. Die Kampagne der Warner Bros. gegen die Nazis. Hamburg [...]: Europa-Vlg. 2000. – Horak, Jan-Christopher: Anti-Nazi-Filme der deutschsprachigen Emigration von 1939-1945. Münster: MakS Publikationen 1984.