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Apsychologische Erzählweise

Eine narrative Struktur im Spielfilm, die sich bewusst nicht um psychologische Einblicke in die Figuren bemüht. Subjektivierungen oder Erläuterungen von Handlungsmotivationen und Gestimmtheiten (etwa im Dialog) fehlen ebenso wie das Herausarbeiten psychischer Momente im Verhalten der Figuren. Insgesamt geht es nicht, wie im westlichen Kino üblich, um eine Fokussierung von außen, die trotzdem Rückschlüsse auf das Innere einer Figur zulässt, ja daraus ihren Reiz beziehen würde. Vielmehr weigert sich die Erzählinstanz, sich auf die inneren Prozesse von Figuren einzulassen, sie überhaupt von Belang zu finden. Eine apsychologische Erzählweise ist also in keinem Melodrama zu finden, umso häufiger dagegen in gleichnishaften, einen Modellcharakter anstrebenden oder verallgemeinernden Erzählformen wie Absurdismus, Allegorie und Parabel, aber auch in Erzählformen, die nicht mit individualisierten (und psychologisierten) Charakteren, sondern mit Typen arbeiten wie Groteske, Parodie und Satire.

Beispiele: Oktjabr (UdSSR 1927, Sergej Eisenstein); Violanta (Schweiz 1977, Daniel Schmid); Hades (BRD 1994, Herbert Achternbusch).