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Armut (1)

Das Leben in Armut – und seine Konsequenzen für die Identität, das Handeln, die Kräfte des Wollens, die Bereitschaft zur Kriminalisierung usw. der Armen – war von der frühen Kinematographie (beispielsweise in The Golden Louis, USA 1909, David Wark Griffith) bis heute (wie in Precious, USA 2009, Lee Daniels), ein immer wiederkehrender, populärer Stoff für Filmgeschichten. Neben romantisch verklärten Darstellungen, in denen Armut mit dem Pathos eines Lebens in Einfachheit und Schlichtheit geschildert wird, stehen Karrierestories und Biopics, in denen Aufsteigerfiguren sich über Klassenverhältnisse hinweg erfolgreich aus der Armut herauskämpfen und (entweder nie oder sehr schnell) vergessen, woher sie ursprünglich kamen. Schließlich gibt es unzimperliche, ungeschönte (historische) Milieustudien, aber auch engagierte humanitäre Dokumentarfilme, die die Armut und ihre häufigen Begleitumstände und -erscheinungen (Perspektivlosigkeit, Emigration, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Jugendkriminalität usw., manchmal auch das Entstehen von Slum-Vorstädten) in schroffer Systemkritik anklagen. Dieses Motiv beschränkt sich keineswegs nur auf die sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländer, sondern kann auch am Beispiel westlicher Länder thematisiert werden (wie etwa in Lilja 4ever, Schweden/Estland 2002, Lukas Moodysson). Ein ganz eigener Themenstrang bildete die Armut in den New-Deal-Filmen (etwa in der Screwball-Komödie My Man Godfrey, USA 1936, Gregory La Cava, oder in den Capra-Filmen der 1930er) und in den Filmen des Neorealismus (etwa in Ladri di Biciclette, Italien 1948, Vittorio De Sica).
 

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