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arousal jag / arousal boost

Eines der wichtigsten Modelle der informationstheoretischen Ästhetik der 1960 und frühen 1970er Jahre war die Vorstellung, dass Kunstwerke als Strategien der Erregungssteuerung angesehen und dass Prozesse der ästhetischen Partizipation als physiologische Erregungsprozesse beschrieben werden könnten. Auf der Mikroebene ging man davon aus, dass ein kontinuierlicher Erregungsanstieg mit plötzlichem Abfall (arousal jag) als angenehm empfunden würde, wogegen auf der Makroebene ein kontinuierlich leichter Anstieg des mittleren Erregungsniveaus (arousal boost) über einen gewissen Zeitraum eine erfolgreiche Rezeption begleite oder ermögliche. Die tatsächlich erwirkte Erregung hängt mit textuellen Eigenschaften wie Intensität, Bedeutung und Komplexität zusammen. Komplexe und intensive rezeptive Stimulation wird nach dieser Theorie eindeutig simplen und wenig-intensiven Stimuli vorgezogen. Beide Strategien werden physiologisch begründet. Wird durch moderate Erregungssteigerung oder durch Erregungsverminderung eine mittlere Lage hergestellt (boost), so führen die jags nur zu momentanen Anhebungen der allgemeinen Erregung. Das Erregungsideal und Rezeptionsziel ist aber ein angestrebtes mittleres Erregungsniveau, das Berlyne seinerzeit mit der U-Funktion beschreiben wollte (der „Wundt-Kurve“) – Stimulus-Qualitäten wie mittlere Intensität und Komplexität korrespondieren moderater Erregung und werden vom Rezipienten bevorzugt. Überschreitungen des Boost-Mechanismus führen zu einer Verwandlung der zunächst belohnenden Erregungsreize in bestrafende, weil das „Bestrafungssystem“ des Mittelhirns über das „primäre Belohnungssystem“ im Hypothalamus die Oberhand gewinnt.

Literatur: Berlyne, David E.: Aesthetics and psychobiology. New York: Appleton-Century- Crofts 1971. – Berlyne, David E.: The new experimental aesthetics. In: Studies in the new experimental aesthetics. Steps towards an objective psychology of aesthetic appreciation. Ed by David E. Berlyne. New York [...]: Wiley 1974, S. 1-25. – Martindale, C. / Moore, K. / West, A.: Relationship of preference judgments to typicality, novelty, and mere exposure. In: Empirical Studies of the Arts 6, 1988, S. 79- 96.