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Atlas Filmverleih GmbH

1958 tätigte der gebürtige Westfale Hanns Eckelkamp jun., der zusammen mit seinem Vater in Duisburg eine Kinokette aufgebaut hatte, sein erstes Verleihengagement: Er übernahm eine 25%-Beteiligung an dem Film High Noon. Im Frühjahr 1959 erwarb er zusammen mit Karl-Heinz Dietz die Verleihbezirke Düsseldorf und Hamburg der Donau-Film-Gesellschaft München mit Titeln wie Die Feuerzangenbowle und Hofstaat der Tiere. Aus der Donau-Film-Nord-West (und dem Türck-Verleih) wurde im Herbst 1959 die Atlas Filmverleih GmbH. Im Frühjahr 1960 erschien ein erstes Atlas-Programm. Anerkannte Grafiker wie Fischer-Nosbisch (der auch das Atlas-Zeichen mit dem modern gestalteten kleinen „a“ im Kreis gestaltete), Hans Hillmann, Hans Michel oder Jan Lenica sorgten mit ihren Plakaten für Reputation. 1964 geriet die Firma in eine finanzielle Krise, aus der der Überraschungserfolg von Ingmar Bergmans Tystnaden heraushalf. Ende 1966 musste die Firma Atlas Filmverleih GmbH in einem außergerichtlichen Vergleich mit den Gläubigern ihre aktive Geschäftstätigkeit einstellen.
Die Reste wurden entflochten. So entstand ein kurzlebiger Eckelkamp Film-Verleih (der 1969 schon wieder Vergleich anmelden musste), die vom Rest der Gruppe unabhängige und bis heute tätige Atlas International, die Atlas Film- und Fernseh-Produktion und eine eigene Schmalfilm GmbH, in der Eckelkamp die ihm verbliebenen 16mm-Filmrechte auswertete. Der neue Geschäftsführer der Atlas Schmalfilm, Paul Liwa, baute die Firma zum 16mm-Marktführer und später zu einem der ersten deutschen Videoanbieter aus. Bald konnte Eckelkamp in Duisburg auch schon wieder Kinofilme verleihen (Wildwechsel; Nachtwache) und in seinem verschachtelten Rest-Firmen-Imperium, unter den Signets Atlas Trio oder Atlas Saskia, sogar mitproduzieren (Die Ehe der Maria Braun; Lola; Liebeskonzil; Das Mädchen und der Kommissar; Hänsel und Gretel im Zauberwald). Die Atlas Maritim brachte Filme auf Kreuzfahrtschiffe oder, via Lufthansa, auf Überseeflüge. Das 16mm-Angebot war für die nichtkommerzielle Kinoarbeit der 1970er und 1980er Jahre von größter Bedeutung und wurde durch die „Atlas-Filmhefte“ und Begleitmaterialien unterstützt. Als sich der Zusammenbruch insbesondere des 16mm-Marktes abzeichnete, verkaufte Eckelkamp Lizenz-Pakete an Kinowelt; mit seinem Ausscheiden wurde die Gruppe 1998 reorganisiert.
Heute existieren noch: Atlas Film und Medien (AFM, Sitz in Duisburg) – d.i. im Wesentlichen der AFM Filmverleih (gegründet 1998, Kinderfilmverleih) für die nichtgewerbliche Filmarbeit – sowie Atlas Film und Medien Vertriebs GmbH (Sitz in Erfurt).