Metainformationen zur Seite

Badewannen im Film

Weder durch Makeup noch Garderobe verstellt wurde der nackte Körper in den Filmbadewannen in allen Phasen der Filmgeschichte selbst exponiert – allerdings konnte man die Schönheit der Badenden nur erahnen und – angeregt durch die Wohligkeit, die sie ausstrahlten – vielleicht auch erfühlen. Schaumbäder, Bäder in Eselsmilch oder bedeckt mit Blüten bedecken und verhüllen gleichzeitig. Es waren vor allem Frauen, denen eigene Wannenszenen gewidmet waren, die deutlich mit den Schauwerten der verhüllten Enthüllung spielten: Gloria Swansons Bad in Male and Female (USA 1919, Cecil B. DeMille), Claudette Colberts Bad in Eselsmilch in The Sign of the Cross (USA 1932, Cecil B. DeMille), Jean Harlows improvisiertes Bad in einem Holzfass im Dschungel (in Red Dust, USA 1932, Victor Fleming), Gina Lollobrigida in Les Belles de Nuit (Frankreich 1952, René Clair), Liz Taylor in Cleopatra (USA 1963, Joseph L. Mankiewicz) usw. Männer sind dagegen selten als Badende ausgestellt (wie Gary Cooper in Love in the Afternoon, USA 1957, Billy Wilder), zudem oft motiviert durch ihre Arbeit (etwa als Bergarbeiter in How Green Was My Valley, USA 1941, John Ford) und nicht etwa den Genuss des Badens.
Das Bad entfaltet sich in mehreren Submotiven: Wird in voller Bekleidung gebadet, um sich unter dem Schaum zu verbergen (wie in Billy Wilders Some Like It Hot, USA 1959), ergibt fast sich immer ein Lacher. Manchmal dient die Säuberung des Rückens als Mittel, die Vertrautheit einer Beziehung unter Beweis zu stellen, ebenso wie das gemeinsame Bad eines Paares. Sex in der Wanne wie in Stille dage i Clichy  (Dänemark 1970, Jens Jørgen Thorsen) indiziert Begierde oder sexuelle Enthemmung. Neueren Datums ist der Mord (selten) oder Selbstmord (häufig) in der Wanne (erinnert sei an die Tote in Les Diaboliques, Frankreich 1955, Henri-Georges Clouzot).
Die Funktion der Wanne kann auch von Film-Duschen erfüllt werden; hier muss die Milchglasscheibe die Nacktheit maskieren.