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Barrandov-Studios

Die Barrandov-Ateliers an der Moldau, in einem südlichen Vorort von Prag, tragen ihren Namen nach dem französischen Geologen Joachim Barrande, der das Gebiet, auf dem sie stehen, vermessen hatte. Sie wurden von Miloš Havel gebaut, Baubeginn war der 28.11.1931. Havel war Besitzer einer der wichtigsten Produktionsgesellschaften in Prag, der A-B Film, und Onkel des späteren Präsidenten der tschechischen Republik. Er betrieb auch die Lucerna-Einkaufspassage in Prag mit einem Großkino, das 1929 als erstes in der ganzen Republik auf Tonfilm umgestellt wurde – gerade solche Filme sollten in einem eigenen Studio produziert werden. Die von Max Urban im Bauhausstil entworfenen Ateliergebäude enthielten Tonfilmhallen mit einer Größe von 16x24x10m und gehörten zu den am besten ausgestatteten Ateliers Europas. Als erster Film ging Svatopluk Innemanns Vražda Vostrovní Ulici (Der Mord in der Ostrava Strasse) am 20.1.1933 vor die Kameras. Ursprünglich hatte man vor, dort nicht nur einheimische Produktionen zu drehen, sondern auch internationale Projekte anzulocken. Doch abgesehen von einzelnen Koproduktionen – zu ihnen zählen Golem (1935) oder Port Arthur (1936) – ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Andererseits erlebte die tschechische Filmwirtschaft einen Boom, so dass schon 1933 22 Spielfilme in Barandov entstanden; 1937 und 1938 stieg die Zahl auf 30 (weitere tschechische Filme wurden in Holice und anderen kleineren Ateliers gedreht). Auch die Ufa mietete die Barandov-Studios kontinuierlich seit 1933, um z.B. Filme mit Lida Baarova, der Geliebten Goebbels‘, dort zu drehen. Nachdem die Wehrmacht im März 1939 das Land besetzt hatte, wurde Barrandov erweitert und wegen der zunehmenden Bombenabwürfe auf Berlin zunehmend zum bevorzugten Drehort des Propagandaministers erkoren.
Im Jahre 1946 wurde die tschechische Filmwirtschaft und damit Barrandov verstaatlicht. Über die nächsten vierzig Jahre entstanden in Barrandov sämtliche Spielfilme der tschechischen Produktion, auch die Filme des Prager Frühlings (darunter O Slavnosti a Hostech / dt.: Von Festen und Gästen, 1966, Jan Němec, Ostre sledonané vlaky / dt.: Liebe nach Fahrplan, aka: Scharf beobachtete Züge, 1968, Jiři Menzel, und Sedmikrásky / dt.: Tausendschönchen, 1967, Vera Chytilová) sowie die meisten TV-Sendungen der CSSR. Als die Amerikaner im Sommer1968 den Kriegsfilm A Bridge Too Far dort drehen, entstand das Gerücht, die US-Armee hätte das Land besetzt, was u.a. zur Invasion des Warschauer Pakts führte. Nach der „seidenen Revolution“ im Jahre 1990 wurde Barrandov wieder privatisiert und ist heute eine Tochtergesellschaft der A-B Holding Company. Neben der einheimischen Produktion Tschechiens werden viele internationale Produktionen dort gedreht, u.a. Mission Impossible (1996), Les Misérables (1998), Shanghai Knights (2002).

Literatur: http://www.barrandov.cz/