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Bauer

auch: Eugen Bauer GmbH; Kinobauer

Der gelernte Feinmechaniker Eugen Bauer kam durch Instandsetzung und Reparatur von Filmprojektoren 1905 in Berührung mit dem Filmgewerbe. Der Stuttgarter Kinobesitzer Felix Bayer beredete ihn, sich selbst mit Projektorenbau zu beschäftigen, und 1907 stellte Bauer sein erstes Gerät vor, das nicht nur durch Zuverlässigkeit glänzte, sondern zudem eine Verbesserung gegenüber den anderen Projektoren der Zeit enthielt: Bei diesen lief der abgedrehte Film noch in einen unter dem Projektor stehenden Wäschekorb; bei Bauer wurde der Film dagegen auf eine Spule gewickelt. 1914 brachte Bauer sein drittes Modell auf den Markt, das sich durch die Verkapselung der empfindlichen Getriebeteile und ein angebautes Diagerät auszeichnete, einer sogenannten Dialux-Einrichtung zur Vorführung von Werbepositiven. Der Weltkrieg brachte einen totalen Einbruch; erst nach 1919 ging Bauer daran, die Firma wiederaufzubauen. 1925 stellte er einen „Linksprojektor“ vor, der die pausenlose Vorführung eines Films mit zwei Projektoren, einer Rechts- und einer spiegelbildlich gebauten Linksmaschine, gestattete und die von nur einem Mann bedient werden konnte. 1928 zog die Firma von Stattgart nach Untertürkheim. Die anfangs der 1930er Jahre 65 Mitarbeiter umfassende Firma (1939 war der Stamm auf 300 angewachsen) war international orientiert, exportierte 75% ihrer Erzeugnisse ins Ausland. 1932 begann Bosch, die Firma aufzukaufen und als „Kinobauer“ weiter zu betreiben. „Standard 5“, „Standard 7“ und „Super 7“ wurden zu Standardprojektoren, die oft noch lange nach dem Krieg in Betrieb waren; hinzu kamen transportable Koffer-Kinomaschinen wie die „Sonolux I/II“, die in Schulen und Wanderkinos eingesetzt wurden. Nach dem Krieg nahm Bauer mit 40 Mitarbeitern die Produktion wieder auf. Durch die Kooperation von Bauer-Projektionstechnik mit Klangfilm-Tonanlagen der Firma Siemens Anfang der 1950er Jahre konnten unter dem Namen „Bauer-Klangfilm“ Hunderte von Lichtspieltheatern ausgerüstet werden. Im Jahr 1972 präsentierte Kinobauer auf der „photokina“ das erste lochkartengesteuerte Projektorsystem für Lichtspieltheater (U-4 System): Es ermöglichte eine pausenlose Filmvorführung bis zu zweieinhalb Stunden und besaß ein Lochkarten-Lesegerät zur automatischen Steuerung der Betriebstechnik, von der Saalverdunkelung bis hin zur Zwischenmusik.
Schon 1937 hatte Bauer versucht, sich mit der Kamera für die 8-mm-Movex-Cassette auf dem Amateurfilmbereich zu engagieren. 1953 brachte Bauer die Doppelacht-Kamera auf den Markt. In den 1960er Jahren machte Bauer 75% seines Umsatzes mit Amateur-Equipment.
Ende der 1970er brach der Kinogeräte-Markt zusammen, anfangs der 1980er der Amateurfilmmarkt. Bauer wurde restrukturiert, die eigene Produktion komplett eingestellt. Das Untertürkheimer Gelände wurde 1984 an Daimler Benz abgegeben. 1992 schließlich löste Bosch den Fotokino-Bereich endgültig auf.