Metainformationen zur Seite

Bavaria

Am 21.9.1932 wurde die Bavaria AG in München von Kommerzienrat Wilhelm Kraus aus der Konkursmasse Emelka gegründet. Bei der Bavaria entstanden hauptsächlich Heimatfilme wie z.B. IA In Oberbayern (1936, Franz Seitz). Im April 1937 kam es zu einer finanziellen Krise und die Bavaria musste ihre Zahlungen einstellen; dabei schien das Propagandaministerium zunächst eine abwartende Haltung einzunehmen. Seine wahren Intentionen wurden am 11.2.1938 klar, als die Bavaria-Filmkunst GmbH von der Cautio- und Allgemeine Filmtreuhand GmbH gegründet wurde, die die Immobilien, Ateliers und das Kopierwerk der Bavaria AG erwarb. Hinter der Cautio unter Leitung von Max Winkler stand ja bekanntlich das Reich. Die neue Firma produzierte weiterhin Genrefilme – u.a. Wasser für Canitoga (1939), Feinde (1940) und Paracelsus (1943) –, die auch Propagandazwecke erfüllen sollten.
Im Jahre 1956 wurde die Bavaria Filmkunst AG als erste Firma aus dem alten Ufi-Konzern reprivatisiert. Der Münchner Filmpionier Peter Ostermayr wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt; die Aktien wurden unter drei Banken und den Firmen Agfa, NDF und Schorcht aufgeteilt. Die Bavaria und die Geiselgasteig-Ateliers wurden schnell zu einem Zentrum des westdeutschen Films, obwohl nur wenige anspruchsvolle Filme (Der gläserne Turm, 1957) dort entstanden. Drei Jahre später musste die Bavaria aber ihre Arbeit wieder einstellen. Es entstand die Bavaria Atelier GmbH mit Beteiligung des Westdeutschen Rundfunks (50%), des Süddeutschen Rundfunks (25%) und der Bavaria Filmkunst (25%). Geschäftsführer wurde Helmut Jedele.
Die Bavaria hatte für den ‚Neuen deutschen Film‘ der 1970er Jahre keine Bedeutung, da diese Filmemacher schon aus Kostengründen on location, außerhalb der Studios drehten. Erst als Günther Rohrbach im Jahre 1979 neuer Geschäftsführer wurde, produzierte die Bavaria die größten finanziellen Erfolge ihrer Geschichte: Das Boot (1981) und Die unendliche Geschichte (1984). Die Bavaria ist seitdem einer der Hauptnutzniesser der großzügigen bayerischen Filmförderung, unter deren Vorgaben Filme wie Joseph Vilsmeiers Stalingrad (1993) entstanden.

Literatur: http://www.bavaria-film.de. – Honickel, Thomas: Götterdämmerung in Geiselgasteig? Eine Chronik der Bavaria zwischen Geschichte und Aktualität. In: Jahrbuch Film 84/85. Hrsg. v. H.G. Pflaum. München/Wien: Hanser 1984, S. 104-118. – Keller, Roland: Die Traumfabrik: Bavaria Filmstadt Geiselgasteig. Aktual. Ausg. München: Heyne 1991. – Wolf, Sylvia / Kurowski, Ulrich: Das Münchner Film- und Kino-Buch. Die Biographie der Filmstadt München. Ebersberg: Edition Achteinhalb Lothar Just 1988.