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beaver films

Seit den 1920er Jahren wird im Jargon der Pornografieherstellung wie allgemein im vulgäramerikanischen Sprachgebrauch beaver (‚Biber‘) als Bezeichnung für die weibliche Schambehaarung bzw. für die Vagina selbst verwendet, offenbar in Analogie zu einem noch älteren Gebrauch für das behaarte männliche Gesicht. Beaver shots sind dann fotografische Abbildungen der entsprechenden unbekleideten weiblichen Genitalregion. Beaver films, zu sehen als historische Vermittlungstufe zwischen stag films und billigen Sexploitationsfilmen der 1950er und 1960er auf der einen und echten Hardcore-Spielfilmen der 1970er Jahre auf der anderen Seite, sind kürzere Filmstrecken, die in speziellen Peepshows bzw. auch Kinos gezeigt wurden und in denen aus einer Striptease-Szene heraus die weibliche Schamregion in Nahaufnahmen gezeigt wurde. Als weitere Eskalationsstufe traten die sogenannten split beavers hinzu, bei denen die Darbietungen bis zum Spreizen der Beine und Auseinanderziehen der Schamlippen (sog. spreads) durch die Actricen führte, wodurch dem (wohl vornehmlich männlichen) Betrachter eine gleichsam gynäkologische Perspektive ermöglicht wurde. Als Fortsetzung dieser Spielart können die action beavers angesehen werden, in denen es aber nicht zu heterosexuellem Geschlechtsverkehr kam, sondern zu quasi-lesbischen Handlungen zwischen den Protagonistinnen, die einander ihre Genitalbereiche streichelten und bis zum Cunnilingus liebkosten. Ermöglicht bzw. geduldet wurden die beaver films durch eine Reihe von Gerichtsentscheidungen in den USA während der späten 1960er Jahre. Bemerkenswert ist, dass (bzw. wie) heutzutage die werbungtreibende Sexindustrie einen ähnlichen Dreischritt im Privatfernsehen versucht. Im Fahrwasser feministischer Pornografiediskussion ist es in den 1990er Jahren Annie Sprinkle, einer ehemalige amerikanischen Prostituierten und Pornofilmdarstellerin, gelungen, beaver films-artige Darbietungen in den Rang tantrischer Performance-Kunst zu erheben (Prostitute Performances), und sie hat im Selbstversuch bei Video-Workshops (Sluts and Goddesses) ihrem Publikum dem Thema entsprechend tiefe Einblicke gewährt.

Literatur: Thomas, Sheila Marie: Speaking the unspeakable: Annie Sprinkle's "Prostitute Performances". M.A.-Thesis, Dept. of Theatre, Univ. of Colorado 1996.

Referenzen