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Bechdel-Test

In dem 1985 erschienenen amerikanischen Cartoon Dykes to Watch out For (dt. etwa: Lesben, die man im Auge haben sollte) von der Autorin Alison Bechdel (*1960, gesprochen Bek-del) erklärt  eine Frau einer anderen, sie sehe sich nur Filme an, in denen erstens mindestens zwei Frauen vorkommen, die sich zweitens auch miteinander unterhalten, und zwar drittens nicht über einen Mann. Diese auf den ersten Blick marginalen Filmkriterien blieben zunächst ein amüsanter Insiderscherz, machten aber ab ca. 2010 Karriere –  als Aufmerksamkeits-Regel. Aus den Filmmaßstäben einer Comic-Figur wurde ein als veritabel behaupteter Film-Test. Gegenwärtig (Stand: 2017) werden Filme dem Bechdel-Test unterzogen, um zu untersuchen, ob und wieviel Gleichheit Frauen in Filmen eingeräumt wird. So verlangt der Europarat von Produktionen, die sich um Förderung bei Eurimages bewerben, eine Analyse des Drehbuchs anhand der 3 Bechdel-Kriterien. Zusätzlich wird gefragt, ob die Frauen im Drehbuch überhaupt Namen haben. Viele Hollywoodfilme fallen bei diesem Test durch, zum Beispiel vier der neun Filme, die 2017 für den Oscar als „Bester Film“ nominiert waren; aber auch 43% der deutschen Fernsehproduktionen, wie eine Studie der Universität Rostock belegt. Über die Qualität eines Films oder dessen feministischen Anspruch sagt der Test allerdings nur wenig aus.

Literatur: Garcia, David / Weber, Ingmar / Garimella, Venkata Rama Kiran: Gender Asymmetries in Reality and Fiction: The Bechdel Test of Social Media. In: International AAAI Conference on Web and Social Media (ICWSM), April 2014, S. 131‑140. – Prommer, Elizabeth / Linke, Christine: Audiovisuelle Diversität. Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland. Rostock: Institut für Medienforschung 2017 [online]. – Scheiner‑Fisher, Cicely / Russell III,  William B.: Using Historical Films to Promote Gender Equity in the History Curriculum. In: The Social Studies 103,6, 2012, S. 221‑225.