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Berliner Schule

(1) Eher beiläufig geprägte Bezeichnung für eine Gruppe Berliner Filmemacher, die vor allem in den frühen 1970er Jahren ein radikal-realistisches Arbeiterkino zu machen versuchten. Zu den prominentesten Mitgliedern der Gruppe gehörten Marianne Lüdcke (Die Wollands, 1972), Ingo Kratisch (Lohn und Liebe, 1973/74, mit Lüdcke), Max Willutzki (Der lange Jammer, 1973; Vera Romeyke ist nicht tragbar, 1976) und Christian Ziewer (Liebe Mutter, mir geht es gut, 1971; Der aufrechte Gang, 1975). Die Filme versuchen, die Radikalität ihrer Realismusvorstellung er gerade dadurch zu beweisen, dass sie krisenhafte Entwicklungen als Folge vieler widersprüchlicher Prozesse deuten. Die Filme knüpfen an die realistische und parteiliche Tradition der deutschen „Arbeiterfilme“ der 1920er und frühen 1930er Jahre an und vermitteln sie mit Fernsehformaten wie einer realistischen Seifenoper, Reality-TV-Formen und semidokumentarischen Gattungen.
(2) Als Christian Petzolds RAF-Film Die innere Sicherheit 2000 den Deutschen Filmpreis gewann, trat eine Gruppe von Regisseuren, für die meist die Berliner Schramm-Film produziert, ins Bewusstsein der kritischen Öffentlichkeit – neben Petzold sind Angela Schangelec (Mein langsames Leben, 2001) und Thomas Arslan (Geschwister – Kardesler, 1996; Dealer, 1998) zu nennen. Gemeinhin werden die Filme der Gruppe als Kino der Ruhe und lichten Klarheit gelobt, in dem es immer eher um die Intensität und Komposition des einzelnen Moments gehe als um das Primat der Geschichten. Sie beziehen sich explizit auf französische Vorbilder.

Referenzen