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Berufswelt

Häufig bearbeiteter Themenkomplex in den Gattungen Lehr- und Industriefilm sowie in einigen Bereichen des Dokumentarfilms. Im Zentrum stehen Informationen über einzelne Berufe und Tätigkeitsfelder aus Industrie, Handwerk und den Dienstleistungssektoren. Die Berufswelt prägt aber auch Spielfilme, die nach Art einer Milieustudie auf realistische Weise Strukturen, Atmosphäre und Probleme am Arbeitsplatz (etwa bei Streiks, bei Arbeitsverlust, bei Kurzarbeit) beleuchten. Es gibt Filme, die von Workaholismus und Überperfektion erzählen (wie Mac, 1992, John Turturro) erzählen, andere, die sich des Mobbings annehmen, wieder andere, die sterbende Arbeitswelten wehmütig in den Ritualen festhalten, die den Arbeitenden außer der Arbeitslosigkeit noch geblieben sind (wie Brassed Off, Großbritannien 1996, Mark Herman). Eine ganze Reihe von Filmen spielen in Handwerksbetrieben, behandeln Generationenkonflikte oder aber Krisenphasen des Handwerks; in Das Brot des Bäckers (1976, Erwin Keusch) etwa gerät ein Bäcker in die Krise, als Bäckereien durch Großbäckereien mit eigenen Ladenketten unter Preisdruck gerieten. Andere behandeln das Schicksal von einzelnen auf Großbaustellen (wie Spur der Steine, DDR 1966, Frank Beyer, das Arbeitsverständnis einzelner Handwerksberufe mit der Logistik von Großbaustellen in Konflikt gerät). Andere Filme behandeln die zunehmende Verelendung von Arbeitern unter dem Druck von Privatisierung, Outsourcing und Minderbezahlung (wie z.B. Ken Loachs Film THE NAVIGATORS, Großbritannien 2001, von englischen Einsenbahnarbeitern nach der Privatisierung der Bahnen erzählt). Wieder andere thematisieren neuerdings Konflikte, die mit Automatisierung und Globalisierung zusammenhängen; so erzählt Laurence Cantets Film Resources Humaines (1999) die Geschichte des Sohnes, den der Vater studieren hat lassen und der nach dem Studium dazu gezwungen ist, den Vater zu entlassen. In schwächerer Ausprägung kommt der Komplex im Angestellten- und Sekretärinnenfilm zum Tragen, hier v.a. als Welt des Büros. Ein berühmtes Beispiel ist Billy Wilders The Appartement, 1960, der zugleich von Großbüros, Erpressung am Arbeitsplatz, sexueller Ausbeutung u.a.m. berichtet.

Literatur: Lindstrom, J.A. Work and genre. In: Jump Cut, 43, July 2000, S. 21-30. - Medici, Antonio (a cura di): Immagini del lavoro. La fabbrica, la terra, la città, il mare, la miniera, la ferrovia, la frontiera in cento film. Roma: Ediesse 2002. – Zaniello, Tom: Working stiffs, union maids, reds, and riffraff. An expanded guide to films about labor. Ithaca, NY [...]: ILR Press 2003.