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Bewegung: Formalismus

Wie Avantgardisten und andere Filmtheoretiker der 1920er Jahre rücken auch die Formalisten die Bewegung ins Zentrum. Sie wird unter drei Aspekten betrachtet: (1) als Bewegung des einzelnen Filmbildes, Bewegung hier verstanden als spezifische Daseinsform der Materie; (2) als Objektbewegung, als Bewegung vor der Kamera, typologisiert als Bewegung auf den Zuschauer hin, von ihm weg und an ihm vorbei, wodurch der filmische Raum in seiner Tiefen- und Seitenausdehnung erst erzeugt wird; (3) schließlich als stilistische Bewegung, d.h. als Wechsel der Aufnahmedistanzen innerhalb einer Einstellung und als Dynamisierung statischer Einstellungen durch Montage. Für Šklovskij existiert Bewegung im Film „nicht an sich, sondern nur als semantisches Zeichen“. Ausschlaggebend für die formalistische Auffassung von Bewegung ist der Differenzbegriff. Tynjanov versteht darunter durch Montage und Rhythmus gebildete Differenzformen von Raum und Zeit. Sein Begriff des prome utok (= Zwischenraum, Zwischenzeit) entspricht dem des Intervalls als Stoff der Bewegung bei Dziga Vertov.