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Bewegungsfilm

engl.: activist film

Bewegungsfilme sind audiovisuelle (Selbst-)Darstellungen sozialer Bewegungen. Sie thematisieren Aktionen, Ziele und Interessen einer Bewegung und werden von Mitgliedern oder Sympathisanten dieser Bewegung maßgeblich (mit)gestaltet. Das Spektrum ihrer Formen ist breit: Es reicht von dokumentarischen Agitationsfilmen über fiktionale Chroniken bis hin zu experimentellen Flugblattfilmen (cinétracts).

In den westlichen Industrienationen entstanden die ersten Bewegungsfilme im Kontext der Arbeiterbewegung auf Eigeninitiative oder im Auftrag von Gewerkschaften, Genossenschaften oder Arbeiterbildungszentralen mit dem Ziel, ihr Publikum aufzuklären und zu mobilisieren. Eine zweite Welle folgte in den späten 1960ern im Zuge der 68er-Bewegung mit neuen Themen und Formen. Geleitet von der Idee, dass die Umwälzung der gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse bei der Veränderung der individuellen Lebensverhältnisse und einer neuen Ästhetik beginnt, erprobten die Filmaktivistinnen und -aktivisten neben neuen ästhetisch-rhetorischen Strategien der Agitation auch neue Arbeits- und Rezeptionsformen. Ähnliches gilt für die Filme der sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen der 1970er und 1980er. Oft in autodidaktisch ausgebildeten Kollektiven auf Video oder Super-8 gedreht, mit einem Hang zu sarkastisch-anarchischen Erzähl- und Repräsentationsformen, spiegeln sie das postmarxistische Selbstverständnis, mit dem sich ,neuen‘ von den ,alten‘ Bewegungen abgrenzten. Wie ihre Vorgänger wurden sie vor allem im Rahmen selbstorganisierter Veranstaltungen gezeigt, einige Filme zirkulierten aber auch auf Festivals, im Kino und im Fernsehen. Heute ist das Internet ein gängiger Vertriebskanal für Bewegungsfilme, die in den letzten Jahren vor allem im Umkreis globalisierungs- und finanzkritischer Bewegungen entstanden.

Filmbeispiele: Der rote Tag (Schweiz 1934, Robert Risler); Brecht die Macht der Manipulateure (BRD 1967-68, Helke Sander); Züri brännt (Schweiz 1980, Videoladen Zürich); Passt bloss auf¼ Ein Film aus der Kultur von unten (BRD 1982, Medienwerkstatt Freiburg); Trouble – Teatime in Heiligendamm (BRD 2007, Mind Pirates Summercamp Community).

Literatur: Blondeau, Olivier (avec la collaboration de Laurence Allard): Devenir Média. L’Activisme sur Internet entre défection et expérimentation. Paris: Éditions Amsterdam 2007. – Roth, Wilhelm: Der Dokumentarfilm seit 1960. München: C. J. Bucher 1982, v.a. 198ff. – Zutavern, Julia: Der Bewegungsfilm. Die Politik der Film- und Videoarbeit im Kontext sozialer Bewegungen. Marburg: Schüren 2014.

Referenzen