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Beziehungs- und Familienmord

Motiv in Kriminalfilmen, bei denen es nicht um Berufsverbrecher geht, sondern um Personen, die sich oft aus niedrigen Beweggründen an Menschen vergriffen haben, die ihnen nahestehen. Aus dem Motiv ergeben sich oft melodramatische Konstellationen und Geschichten; manchmal werden neben Strategien des Thrillers auch solche des Horrorfilms verwendet, um Spannung zu erzeugen. Es kommt darauf an, ob die Tat selbst und ihre Aufklärung im Zentrum stehen, die psychologischen Motive und die Situation, die sie ausgelöst haben, oder das Grauen, das aus dem Umschlag von vertrauter Nähe zu brutaler Aggression und Gewalt folgt. Die Entwicklung hat manchmal eine fatale Eigendynamik, der Mörder ist oft nicht mehr Herr der Lage; in Fritz Langs House by the River (1950) begeht ein Schriftsteller einen Zufallsmord, gerät danach aber so in Bedrängnis, dass er seine Frau und seinen Bruder auch noch umbringen will. Oft ist eine Dreieckskonstellation Ausgangspunkt der mörderischen Entwicklung, um derentwillen einer der drei sterben muss. In Luchino Viscontis Ossessione (1942) verfallen ein Wanderarbeiter und die junge Ehefrau eines Tankstellenbesitzers einander – und der Ehemann muss sterben. Noch komplizierter ist Henri-Georges Clouzots Thriller Les Diaboliques (1954), in dem sich Frau und Geliebte eines sadistischen Lehrers zusammentun und den Mann töten – nur zum Schein, wie sich herausstellt, denn die eigentliche Intrige hatten der Mann und die Geliebte gesponnen: Der – natürliche – Herztod der Ehefrau nach der „Wiederauferstehung“ ihres Mannes war das eigentliche Ziel der Handlung. Manchmal zeigt der Beziehungsmord die innere Repressivität von Nachbarschaften, Cliquen und ähnlichem an. In Boys Don‘t Cry (1999, Kimberley Pierce) etwa wird die lesbische Protagonistin, die sich als Mann verkleidet hatte, vom Kollektiv der Männer brutal umgebracht, als der Betrug auffliegt. Beziehungs- und Familienmorde ereignen sich auch in Beziehungs-, Ehe- und Familiendramen – in Konstellationen, in denen die Partner oder Familienmitglieder einander bedrohlich gegenüberstehen. Manchmal steht auch eine psychische Krise am Beginn der Tat. In Peter Jacksons Heavenly Creatures (1994) z.B. bringt die Tochter die Eltern als Teil einer pubertären Entwicklungsstörung um. Heute ist der Beziehungsmord zu einem der Standardmotive vor allem des TV-Krimis geworden.

Referenzen