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Blue Movie

gelegentlich auch: blue film

Das Adjektiv ‚blue‘ wird (vermittelt über die im 18. Jahrhundert populäre französische ‚Bibliothèque bleue‘) im Englischen in der Bedeutung 'anstößig, obszön, pornographisch' seit dem frühen 19. Jahrhundert gebraucht. ‚Blue‘ wurden auch die Huren genannt, die in den Korrektionseinrichtungen blaue Anstaltskleidung tragen mussten.
Das Hauptkontingent der ‚blue movies‘ bilden Erotikfilme der Stummfilmzeit, die auf eine nostalgische Schaulust und Rezeptionshaltung abzielen. Durchgesetzt hat sich für sie der Begriff ‚stag film‘ (Kompilation solcher Filme von 1915 bis 1970 in: A History oft he Blue Movie, USA 1970, Alex de Renzy; ähnlich Hollywood Blue, USA 1970, Bill Osco). Der Ausdruck blue movie erhielt neue Popularität durch Andy Warhols gleichnamigen Film (aka: Fuck, USA 1969, 90/105 Min.), in dem sich ein Paar in einem New Yorker Appartement liebt, und diente zur Namengebung einiger (Pseudo-)Dokumentarfilme, die die Facetten des Sex- und Pornofilmgewerbes zeigen sollten (u.a. Blue Movie, 1971, BRD/NL 1971, Wim Verstappen;  Blue Movie, Italien 1978, Alberto Cavallone). Im Zuge dieser Dokumentarisierungen wurde der Ausdruck gelegentlich mit den sog. ‚snuff films‘ in Verbindung gebracht (The Evolution of Snuff, aka: Confessions of a Blue Movie Star, BRD 1977, Andrzej Kostenko & Karl Martine, mit Roman Polanski und Carl Amery).

Literatur: Deaver, Jeff: Death of a blue movie star. Rev. ed., New York: Bantam Books 2000 [fiktionale Darstellung der Filmindustrie]. – Southern, Terry: Blue movie. New York: New American Library 1970, Nachdr., 1985; Nachdr., New York: Grove Press 1996 [romanhafte Darstellung der kaliforn. Filmindustrie]; Auszug in: Movies, ed. Gilbert Adair. London: Penguin 1999, S. 113-120. – Warhol, Andy: Blue Movie: a film. New York: Grove Press 1970 (An Evergreen Black Cat Book. B-250.) [Drehbuch].

Referenzen