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Borschtsch-Western

engl. Borsch western; Borscht western

Scherzhafte kulinarische Metapher nach dem Modell des „Spaghetti-Western“. Wird mit zuweilen verächtlichem Unterton als Bezeichnung für ein spezifisch russisches (bzw. sowjetisches), hybrides Subgenre des Western verwendet. Benannt nach der deftigen russischen Gemüsesuppe Borschtsch. Die Anwendung des Ausdrucks auf Film entstammt dem Englischen; im Russischen werden Filme dieser Art vornehmlich wortgetreu als „spagetti-western“ bezeichnet.
In dem litauischen Film Niekas nenorejo mirti (russ.: Nikto nje chojtel umirat, dt.: Niemand wollte sterben, UdSSR 1966, Vytautas Zalakevicius), der während der Nachkriegswirren nach 1945 in einem litauischen Dorf spielt, geht es um die Auseinandersetzungen zwischen dem litauischen Widerstand und den Anhängern der Sowjetmacht, um die Möglichkeit von Liebe und Gefühlen in einer von Verrat und Undurchsichtigkeit gekennzeichneten Atmosphäre. Der 1917 im russischen Bürgerkrieg spielende Film Svoj sredi Èužin, èužoj sredi svoich (Verraten und verkauft, aka: Fremd unter seinesgleichen, UdSSR 1974, Nikita Michalkov) inszeniert die Auseinandersetzungen zwischen Rotgardisten und „Weißen“ wie einen Western. Eine Reihe von Filmen mit Western-Strukturen hat Samvel Gasparov während der 1970er und 1980er Jahre in den ukrainischen Odessa-Studios gedreht: Nenavist’ (Hass, 1976), Zabud’te slovo „Smert“ (Vergesst das Wort „Tod“, 1979), Chleb, Zoloto, Nagan (Brot, Gold, Pistole, 1980) oder auch Šestoj (Der Sechste, 1981). Als „russischer Western“ kann beispielsweise auch der in den Revolutionswirren angesiedelte Film Kto Zaplatit za Udaèu? (Wer bezahlt für den Erfolg?, UdSSR 1980, Konstantin Chudjakov) angesehen werden.
Eher zweifelhaft als Subgenreindizierung ist dagegen die Zuschreibung des Ausdrucks an einen Film wie Jonathan degli Orsi (dt.: Die Rache des weissen Indianers, Italien/Russland 1993, Enzo G[irolami] Castellari) mit Franco Nero, der in Amerika angesiedelt ist. Zwar spielt hier der Django-erfahrene Italowestern-Regisseur Enzo Girolami augenzwinkernd auf seine eigenen Spaghetti-Kompositionen an, doch ist das Werk lediglich eine italienisch-russische Gemeinschaftsproduktion, an der auch russische Schauspieler mitwirken.

Referenzen