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Boulevard

von mittelniederländisch: bulwerke = Bollwerk; aus Frankreich stammende Bezeichnung einer breiten Ringstraße, die nach der Schleifung des Walles einer städtischen Befestigungsanlage auf demselben angelegt wurde

Boulevard wurde schnell zur Bezeichnung einer spezifischen Form öffentlichen Lebens, geprägt durch Urbanität, Anonymität, Konsum etc. Von hier wurde der Begriff übertragen auf Zeitungen, die die spezifischen Interessen der Boulevard-Besucher befriedigten und die im Straßenverkauf vertrieben wurden. Im Unterschied zu reinen Nachrichtenmedien ist die emotionalisierte Berichterstattung, in der Informationen vorenthalten oder pauschalisiert und Sachverhalte verkürzt oder verzerrt dargestellt werden, in allen Boulevardmedien ein übliches Mittel. Boulevardformen gehörten von Beginn an auch zu den Berichterstattungsformen von Rundfunk und Fernsehen, die dazu eigene Magazinformate ausbildeten. Als Themen stehen Katastrophen, Unfälle, Verbrechen, Mode, Prominenz und Konsumthemen im Vordergrund. Traditionelle journalistische Aktualitäts- und Relevanzkriterien treten gegenüber solchen Faktoren wie Personalisierung, Kontroverse und Aggression in den Hintergrund.

Literatur: Esser, Frank: "Tabloidization" of news. A comparative analysis of Anglo‑American and German press journalism. In: European Journal of Communication 14,3, 1999, S. 291‑324. – Muckenhaupt, Manfred: Boulevardisierung in der TV‑Nachrichtenberichterstattung. In: Medien im Wandel. Hrsg. v. Werner Holly. Opladen [...]: Westdeutscher Vlg. 1998, S. 113‑134. – Wegener, Claudia: Wenn die Information zur Unterhaltung wird oder Die Annäherung des "factual television" an das "fictional television". In: Information, Emotion, Sensation. Wenn im Fernsehen die Grenzen zerfließen. Hrsg. v. Ingrid Paus‑Hasebrink, Ingrid. Bielefeld: GMK 2000, S. 46‑61. – Engesser, Sven / Krämer, Benjamin / Ammann, Ilona: Bereichernd oder belanglos? Der Nachrichtenwert partizipativer Pressefotografie im Boulevardjournalismus. In: Publizistik 55,2, 2010, S. 129‑152.