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Bremsung

In der Bremsung konkretisiert sich nach Auffassung einiger Vertreter des russischen Formalismus die für die Kunst konstitutive Selbstzweckhaftigkeit der Wahrnehmung zu einem konstruktiven Verfahren, „denn in der Kunst ist der Wahrnehmungsprozeß Selbstzweck und muß verlängert werden“ (Šklovskij). Zusammen mit der Verzögerung und der Verlangsamung greift die Bremsung in ökonomisierte Wahrnehmungsverläufe (meist als „Automatisierung“ bezeichnet) ein, um deren zeitliche und räumliche Aspekte zu isolieren. Bezeichnet (1) die Verzögerung den zeitlichen Aufschub einer Wahrnehmung, so meint (2) die Verlangsamung das Unterschreiten automatisierter Geschwindigkeiten und (3) die Bremsung eine abrupte Stillstellung der Wahrnehmungsbewegung. Im Sujet bezeichnet Bremsung die Unterbrechung von Handlungen durch eine Parallelhandlung oder Abschweifung. In der formalistischen Filmpoetik wird der Begriff gerade in dieser Funktion eingesetzt, um die Spezifik der filmischen Sujetverfahren (Spannungsaufbau durch Retardation) zu beschreiben.

Referenzen