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Bühnenbild

Dass die sächliche Umgebung von Figuren dramatisch wie deren symbolischer Abdruck eingesetzt werden kann, ist eine grundlegende Annahme, die Set Design und Drama miteinander verbindet. Überpenible Ordnung (oder auch erkennbare Verwahrlosung) geben ebenso Aufschluss über den psychischen Zustand des Bewohners wie erkennbare stilistische Präferenzen, ausgestellte Objekte, Arrangements von Möbeln etc. Ursprünglich als Theaterausstattung entwickelt, hat die Gestaltung des Environments im Film natürlich viel mehr Freiheiten, kann viel mehr mit Details arbeiten. Oft unterscheidet man verschiedene Funktionen des Bühnenbildes: (1) Eine rein illustrierende Dekoration geht oft kaum über eine Bebilderung der Handlung hinaus, verankert aber auch dann die Handlung in einer historischen Epoche, vielleicht auch in einer nationalen Stilistik. (2) Ein subjektives Bühnenbild inszeniert vor allem Wohnungen und Häuser als Selbstdarstellungen von Figuren. (3) Rauminstallationen sind darüber hinaus bereits auf die Inszenierung der szenischen Handlung, das räumliche Arrangement der Figuren, mögliche Bewegungen und Verlagerungen der Figurenkonstellationen etc. ausgerichtet. (4) Das verfremdende Bühnenbild löst sich von realistischen Bezügen, isoliert die Figuren gegen ihre Umgebungen und schafft so die Voraussetzungen für eine viel formalere Inszenierung des dramatischen Konflikts.
Ein Beispiel mag Lilja 4-Ever (Schweden/Dänemark 2002, Lukas Moodysson) sein, der die Protagonistin zwischen traditionell-heimeliger russischer Wohnungseinrichtung, den verfallenden Plattenbauten einer estländischen Großstadt und der allgemeinen Verelendung des ganzen Stadtviertels und der bunt-billigen Einrichtung schwedischer Vergnügungs-Etablissements und den Hochglanz-Einkaufspassagen Stockholms inszeniert – das so heterogene Bühnenbild ist ein präzises Abbild des dramatischen Konflikts und der sozialen und psychischen Lage der Titelheldin.

Literatur: Berthomé, Jean‑Pierre: Le décor au cinéma. Paris: Cahiers du Cinema 2003. – Lüdi, Toni (Hrsg.): Designing Film. Szenenbilder ‑ Production Designs. Berlin: Bertz und Fischer 2010.

Referenzen