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Camcorder

Kofferwort aus engl.: camera + recorder; auch im Dt. üblich; selten aber auch: KamkorderBezeichnung für eine Videokamera mit eingebautem Videorekorder, die Ton- und Bildaufnahmen ermöglicht, die nicht den Zwischenschritt einer Entwicklung bedürfen (wie bei Aufnahmen auf Filmrollen), sondern sofort angesehen werden können. Die ersten analogen Camcorder haben auf Magnetbänder aufgenommen, heute werden digitale Speichermedien wie SD-Karten oder Festplatten verwendet. Vorläufer des Camcorder war nicht die Integration von Kamera und Rekorder, sondern deren  Kombination. 1969 wurde ein solches als „Home-Video“ bezeichnetes Doppel-Gerät von Philips und Grundig erstmalig auf den Markt gebracht (im VCR-System [Video Cassette Recorder]) – es galt als Durchbruch für die Ablösung des analogen Amateurfilms durch die neuen Video-Formate.

Der erste Camcorder wurde von Sony 1983 vorgestellt (im Betamovie-Format, Aufzeichnung auf ein Betamax-Band mit verkleinerter Kopftrommel).  Ein Jahr darauf erschien der erste Camcorder von JVC (kurz darauf folgte Panasonic), der auf VHS-C-Kassetten aufzeichnete – mit dem Vorteil gegenüber dem Sony-System, dass das gefilmte Material entweder über den Sucher der Kamera oder über einen angeschlossenen Fernseher oder Monitor sofort wiedergegeben werden konnte. 1985 brachte Sony nach dem Misserfolg von Betamax sein Video‑8‑System auf den Markt, dessen Kassetten ungefähr die Abmessungen einer Philips‑Compact Cassette erreichten, was eine weitere Miniaturisierung ermöglichte. Ende der 1980er erfolgte die Markteinführung von höherauflösenden Hi8-Kassetten. 1995 erscheinen die ersten digitalen Modelle, die auf Digital-Video (DV) und Mini-DV aufzeichneten. Seit 2004 zeichnen die Consumer-Camcorder ihre Daten meist im MPEG-2-, ab 2007 im MPEG-4-Kompressionsverfahren auf. Die Daten werden auf wiederbeschreibbare DVDs, wechselbare Microdrives, integrierte Festplatten oder Speicherkarten geschrieben.

Ursprünglich für den Amateurbereich entwickelt, wird DV wegen seiner Qualität inzwischen auch im professionellen Produktions‑ und Broadcastingbereich eingesetzt. Seit dem Jahr 2000 gibt es Camcorder, die für Kinoproduktion entwickelt wurden; die wichtigste Gruppe sind die Geräte nach der HDCAM‑Norm.

Literatur: Shiraishi, Yuma: History of Home Videotape Recorder Development. In: SMPTE Journal 94,12, 1985, S. 1257‑1263. – Willett, Rebekah: In the Frame. Mapping Camcorder Cultures. In: Video Cultures. Media Technology and Everyday Creativity. Ed. by D. Buckingham & R. Willett. London: Palgrave Macmillan UK 2009, S. 1-22. – Müller, Jürgen K.: Große Bilder mit kleinen Kameras. DV‑Camcorder im Dokumentarfilm. Konstanz: UVK 2011 (Close up. 24.), bes. 113-134.